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A. F. Morland

Die Agentin #10: Tanga fatale

Thriller





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Tanga Fatale

Die Agentin – Heiße Fälle im Kalten Krieg

Band 10

von A. F. MORLAND

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 121 Taschenbuchseiten.

 

Natalia Ustinov ist Top-Agentin einer Spezialeinheit, die in brisanten Fällen die Aktionen von FBI, CIA, Justizministerium und Pentagon koordiniert. Als sie den Auftrag erhält, für die Sicherheit des weltweit anerkannten russischen Biologen Wladimir Rankow zu sorgen, der in den USA zu einem offiziellen Besuch weilt, um sich mit seinen amerikanischen Kollegen auszutauschen, glaubt sie an einen Routinejob. Niemand rechnet damit, dass der sympathische Russe ernsthaft in Gefahr ist - doch dann wird er auf einem Empfang des Millionärs Beryl Aldrich entführt, ohne dass sie es verhindern kann. Weil sie sich verantwortlich fühlt, setzt die Ustinov alles daran, den Wissenschaftler unversehrt aus den Händen der Entführer zu befreien ...

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover by Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

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1

Der Fahrer stoppte den schwarzen Barracuda. Der Mann, der neben ihm saß, wandte sich zu den beiden Kerlen um, die im Fond hockten.

»Seid ihr bereit?«

Die beiden nickten.

»Lass den Motor laufen, Brian!«, zischte der Beifahrer, und der Mann am Steuer machte mit der rechten Hand ein nervöses Okay-Zeichen. »Dann mal los!«, brummte Ben Martinez, der Beifahrer. »Bringen wir es hinter uns.«

Er zog eine knallrote Teufelsmaske aus dem Jackett und stülpte sie sich hastig über den Kopf. Die Männer im Fond folgten seinem Beispiel.

»Viel Erfolg!«, sagte Brian Buckridge, während er versuchte, das Vibrieren seiner Nerven mit einem Grinsen zu übertünchen.

»Wird schon schiefgehen!« Martinez lachte.

Als er seinen Revolver zog, auf dem ein klobiger Schalldämpfer saß, lief es dem Fahrer eiskalt über den Rücken.

»Ihr werdet doch nicht wirklich ballern, oder?«, fragte er heiser.

»Nicht doch«, antwortete Martinez. »Wir wollen die Leute mit unseren Kanonen bloß schrecken.«

Buckridge atmete erleichtert auf.

Die Männer mit den Teufelsmasken huschten davon. Buckridge sah ihnen aufgeregt nach. Sein Job war es, auf ihre Rückkehr zu warten und mit ihnen dann blitzartig zu verschwinden. Sie hatten ihm diese Aufgabe übertragen, weil er mit Fahrzeugen aller Art irgendwie verwachsen war. Er war Rallyefahrer und verstand eine ganze Menge von seinem Fach.

Die Gangster erreichten den langgezogenen Bungalow. Eine Menge teurer Superschlitten parkte davor. Der Bungalow - mit Blick auf den Long Island Sound - gehörte dem Millionär Beryl Aldrich. Er hatte für diesen Abend zur Party geladen, und die Creme de la Creme war dieser Einladung mit Freuden gefolgt.

Martinez wies mit der Pistole auf die Tür.

»Aufmachen!«, zischte er.

Gregg Dehner übernahm das. Sie glitten in den Bungalow hinein. Vom Garten her schwebten die üblichen Partygeräusche ins Haus. In der Küche klapperten die Aushilfsköche mit dem Geschirr. Leihkellner trugen Tabletts aus dem Gebäude.

Die drei Gangster mit den Teufelsmasken wieselten ungesehen durch den Bungalow.

Plötzlich ein entsetzter Schrei. Martinez, Dehner und Keith Charriba wirbelten wie von der Natter gebissen herum. Zwei livrierte Butler - sie gehörten zum Stammpersonal - hatten die Verbrecher entdeckt. Sie stürzten sich auf sie - furchtlos, zornig, entrüstet.

Dehner und Charriba fackelten keine Sekunde. Sie rissen ihre Revolver hoch und drückten ab.

Die Butler brachen tödlich getroffen zusammen.

»Schnell!«, zischte Ben Martinez aufgeregt. »Weiter! Wir haben keine Zeit zu verlieren!«



2

Wladimir Rankow war der sympathischste Russe, den Natalia Ustinov je kennengelernt hatte. Der Mann sah nicht nur gut aus. Er sprühte vor Intelligenz, hatte überzeugende Ansichten, was den Kommunismus seiner Heimat betraf, und war zur Zeit das Aushängeschild der UdSSR. Rankow war der Paradewissenschaftler von Moskau. Er war Biologe. Und er machte zumindest jedes Vierteljahr in irgendeiner Weise von sich reden. Dass er im nächsten Jahr den Nobelpreis bekommen würde, stand außer Zweifel. Die gesamte Fachwelt war sich darin einig, dass diese Auszeichnung für hervorragende Arbeit niemand mehr als Wladimir Rankow verdiente. Sogar die Amerikaner neideten ihm seine Erfolge nicht. Sie erkannten sie gern an.

Rankow war in die Staaten gekommen, um einige seiner bekannten Kollegen zu kontaktieren. Der USA-Besuch hatte offiziellen Charakter. Die Blätter waren voll von Stellungnahmen, Reportagen und Berichten über den Russen.

Natürlich schlachtete der Kreml Rankows Erfolg für seine Politik aus. Aber das hätte das Weiße Haus gewiss nicht anders gemacht - im umgekehrten Falle.

Der Millionär Beryl Aldrich, selbst Biologe aus Leidenschaft, fühlte sich durch den Besuch des Russen sehr geehrt. Er hatte alles getan, um Rankow den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Dazu gehörte für Aldrich selbstverständlich die Beistellung einer attraktiven, wohlerzogenen Gesellschafterin, die mit ihrem Intellekt auf der gleichen Wellenlänge wie der Mann aus dem Osten lag.

In dieser Beziehung erfüllte Natalia Ustinov die hochgestecktesten Erwartungen. Sie war fünfundzwanzig, hatte tiefgründige Kohleaugen und ideale Proportionen. Ihr Kleid war vielleicht ein bisschen gewagt, aber keineswegs den guten Geschmack verletzend.

»Darf ich Ihnen sagen, dass Sie die reizendste Gesellschafterin sind, die ich je hatte, Natalia«, lobte der Russe in gutem, aber nicht akzentfreiem Amerikanisch. Er sprach hart. Aber seine Augen waren weich, wenn er Nat ansah.

Sie lachte, warf den Kopf zurück und schüttelte das rabenschwarze Haar nach hinten.

»Es gibt ein kleines Geheimnis, weshalb wir so ausgezeichnet harmonieren, Wladimir.«

»Verraten Sie es mir, bitte!«

»Ich habe russische Vorfahren, auch französische und deutsche. Aber das Hauptgewicht scheint mir doch auf meinen russischen Ahnen zu liegen.«

Auf einem Podium, dicht vor dem indirekt beleuchteten Swimmingpool, spielte ein Fünfzehn-Mann-Orchester. Gläser klirrten, Mädchen lachten. Es roch nach gegrillten Lammkeulen und anderen internationalen Delikatessen. Natalia stand mit dem Russen ein wenig abseits vom Trubel.

»Ich bin in Osteuropa geboren und über Westeuropa in die Staaten gekommen«, erzählte die attraktive Frau weiter aus ihrem jungen Leben.

»Darauf sollten wir anstoßen«, sagte der Russe lächelnd.

Natalia hob scherzhaft den Zeigefinger.

»Heute habe ich aber einen US-Pass, Wladimir.«

Der Wissenschaftler winkte ab.

»Ich habe keine Vorurteile. Ich finde, man sollte in jeder Person zuerst den Menschen sehen.«

»Oh, Wladimir, wie vernünftig wir beide doch sind. Könnten nicht alle unserer Meinung sein?«

»Ich hole uns was zu trinken«, sagte der Russe.

Aber die Ustinov schüttelte energisch den Kopf.

»Kommt nicht infrage, Wladimir. Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen zu Hause ist. Hier in Amerika sind die Frauen schon ziemlich emanzipiert. Außerdem sind Sie hier der Gast. Ich sehe nicht ein, weshalb Sie die Drinks holen sollen. Das kann genauso gut ich tun.«

»Aber ...«

»Kein Aber. Sie sind zum Drinkholen dran, wenn ich Sie in Moskau besuche, okay?«

»In Ordnung«, sagte der Russe lächelnd.

Und Natalia ging ins Haus, um zweimal Sekt zu holen.



3

Als die drei roten Teufelsfratzen auf der Terrasse erschienen, fiel eine alte Dame in Ohnmacht. Die Musiker produzierten einen jämmerlichen Missakkord, ehe sie zu spielen aufhörten.

Das Lachen verstummte. Ringsherum starrten bleiche, verstörte Gesichter auf die Verbrecher, die mit ihren Waffen etwa dreißig Gäste in Schach hielten.

Der Hausherr wollte aufbegehren. Doch ein Freund, der es gut mit ihm meinte, hielt ihn davon ab.

Martinez war mit vier federnden Sätzen bei Rankow. Der Russe starrte ihn mit schreckgeweiteten Augen an. Der Gangster drückte ihm den Lauf seiner Waffe in die Seite und zischte: »Mitkommen, Iwan!«

Rankow war vom Schreck gelähmt. Deshalb befolgte er den Befehl nicht sogleich. Da packte ihn Martinez an der Schulter und riss ihn mit sich.

»Keiner spielt den Helden!«, rief Gregg Dehner mit verstellter Stimme, während er mit Keith Charriba den Rückzug deckte. »Und keiner folgt uns, sonst ...«

Martinez zerrte den Wissenschaftler durch das Haus.

»Los!«, fauchte er nervös. »Los! Geh schneller, sonst mache ich dir Beine, Brüderchen!«

Dehner und Charriba bildeten die gefährliche Nachhut. Keiner wagte es, sich vom Fleck zu bewegen. Die ganze Party schien mitten im Verlauf von einem Hypnotiseur zum Erstarren gebracht worden zu sein.

Als sie den Bungalow verlassen hatten, begannen sie zu rennen. Da sie ihre Finger in Rankows Smoking gekrallt hatten, musste er mit ihnen laufen.

Sie erreichten keuchend den schwarzen Barracuda. Brian Buckridge hatte für seine Komplicen bereits die Türen aufgeworfen.

Sie stießen den Russen in das Fahrzeug. Buckridge zupfte inzwischen die Touren hoch. Kaum waren alle Beine im Wagen, da zischte das Gefährt auch schon mit durchdrehenden Reifen ab.

»Alles glattgegangen?«, fragte der Fahrer mit vibrierender Stimme.

»Sieh lieber auf die Straße«, sagte Martinez. »Für Fragen ist jetzt keine Zeit.«



4

Natalia hatte nicht alles mitbekommen. Sie hatte den Raum betreten, in dem das kalte Büfett stand. Daneben gab es eine Menge silberner Tabletts, auf denen die Drinks standen. An und für sich schleppten die fleißigen Aushilfskellner laufend Drinks in den Garten. Da aber seit fünfzehn Minuten kein Tablettträger an Natalia und Rankow vorbeigekommen war, hatte die Schwarzhaarige die Initiative selbst in die Hand genommen. Sie fand, dass ihr deshalb keine Perle aus der Krone fiel.

In dem Augenblick, wo sie nach den beiden Sektschalen gegriffen hatte, passierte es draußen. Sie hörte die Geigen jammernd verstummen. Das alarmierte Nat. Sie ließ den Sekt stehen und schaute aus dem Fenster.

Blasse Gesichter. Entsetzen und Angst in aller Augen. Und dann erblickte Nat die drei Teufelsfratzen. Sie zog sich augenblicklich zurück, eilte in den angrenzenden Raum und kletterte durch ein Fenster aus dem Bungalow.

Sie fühlte sich für den gekidnappten Russen verantwortlich. Nicht, weil Beryl Aldrich sie als Wladimir Rankows Gesellschaftsdame auserkoren hatte, denn diese Rolle spielte sie bloß vor den Augen der Uneingeweihten.

In Wirklichkeit war Natalia Ustinov eine vielbeschäftigte Spezialagentin, deren Aufgabe es war, Rankow auf Schritt und Tritt zu überwachen. Sie als hübsches Mädchen schaffte das besser als jeder Mann.

Niemand konnte etwas dabei finden, wenn sie bei dem Russen auf Tuchfühlung ging. Jeder konnte so etwas nur verstehen. Und manch einer beneidete Rankow deshalb sicherlich.

Nat schnellte also aus dem Fenster und hastete um das Gebäude herum.

Sie erreichte ihren Cadillac, als die Kidnapper den Russen in ihren Barracuda stießen und gleich darauf losfuhren.

Während die anderen Partygäste sich noch in einer nicht enden wollenden Lähmung gefielen, handelte die clevere Agentin bereits.

Sie riss den Wagenschlag auf und drückte sich in den Caddy. In derselben Sekunde orgelte der Anlasser auf. Und gleich darauf schoss das honigfarbene Fahrzeug hinter dem schwarzen Gangsterwagen her.



5

Ben Martinez zog die knallrote Teufelsmaske keuchend ab. Sein Haar war zerzaust. Er hatte unter dem Plastikgebilde mächtig geschwitzt.

»Gregg!«, stieß er atemlos hervor. »Keith!«

»Ja?«, kam es vom Fond des den Northern Boulevard entlangsausenden Wagens.

»Stülpt ihm den schwarzen Sack über!«

Keith Charriba langte nach hinten. Seine Finger erwischten den bereitgelegten Stoffsack. Er nahm ihn an sich, faltete ihn auseinander und zog ihn mit Dehners Hilfe dem verstörten Russen über den Schädel.

Rankow protestierte zuerst ängstlich, dann energisch. Da fauchte Martinez: »Schön ruhig, Brüderchen, sonst machen wir’s noch böser!«

»Was habt ihr mit mir vor?«, stöhnte der Russe verzweifelt unter dem schwarzen Sack.

»Jeder Mensch muss Geld verdienen. Wir werden versuchen, mit dir eine Menge Geld zu machen, Iwan.«

»Von wem wollt ihr Lösegeld haben?«

»Das wird sich noch finden.«

Martinez strich sich das dunkle Haar aus der Stirn. Er war Rechtsanwalt. Seine Praxis hatte noch keine goldenen Tage erlebt. Er hungerte sich so durchs Leben. Aber er verzichtete deshalb nicht darauf, hin und wieder auf großem Fuß zu leben. Das Geld dafür holte er aus den gewinnbringenden Coups, für die er jederzeit zu haben war.

Er war gebürtiger Mexikaner. Seine Eltern waren arme Leute gewesen, und sein Bruder war es immer noch. So besehen hatte Martinez einen »gesellschaftlichen Aufschwung« geschafft. Aber dieser Aufschwung war nicht hoch genug ausgefallen. Deshalb versuchte er nun ein wenig fester an seinem Karriereverlauf zu drehen.

Abgesehen von seinen etwas zu großen, abstehenden Ohren und der ein bisschen zu kurz geratenen Oberlippe war Martinez ein attraktiver Mann. Vor allem seine elegante Kleidung hob ihn über den Alltagsdurchschnitt seiner Komplicen hinaus. Er hatte auch mehr zu reden als die drei anderen. Was er sagte, wurde gemacht.

Gregg Dehner wandte sich mehrmals um, während Brian Buckridge den Barracuda in die weite Kurve vor Douglaston steuerte.

Plötzlich schrie Dehner auf, als hätte ihn der Russe ins Knie gebissen.

»Ben!«

»Was ist denn?«

»Verdammt, Ben ...«

»Werd bloß nicht hysterisch, Junge! Das können wir jetzt nicht brauchen!«

»Wir werden verfolgt!«, keuchte Dehner nervös.

»Quatsch!«

»Sieh doch selbst!«

Martinez war längst herumgefahren. Er sah das abgeblendete Scheinwerferpaar.

»Irgendein Wagen«, knurrte er.

»Würde ich auch sagen«, presste Dehner hervor.

»Aber?«

»Aber dieser Wagen ist seit Aldrichs Haus hinter uns her, und da fällt es mir verflucht schwer, an einen Zufall zu glauben, Ben.«

»Bist du sicher, dass der Wagen schon seit Aldrichs Haus ...«

»So sicher, wie ich weiß, dass neben mir ein Russe sitzt.«

»Dann muss etwas geschehen«, brummte Martinez mit schmalen Augen.

»Und was?«

»Keith!«, sagte der Rechtsanwalt scharf.

»Hm?«

»Dreh das Fenster runter und bring den Verfolgerwagen zum Stehen!«

»Mit ’ner Kugel?«

»Mit ’ner Seifenblase wird’s wohl kaum gelingen!«, bellte Martinez gereizt.

Keith Charriba kurbelte das Fenster herunter. Als er sich nach draußen beugte, verlangte Martinez vom Fahrer, er solle rasch Gas zurücknehmen. Buckridge gehorchte sofort. Der Barracuda wurde merklich langsamer. Der Verfolgerwagen holte auf. Charriba hob die Waffe, auf der immer noch der klobige Schalldämpfer saß.

»Na los!«, schrie Dehner nervös. »Mach doch schon, Keith!«

Und Charriba begann zu feuern. Dicke, grelle Feuerlanzen fauchten aus dem Schalldämpfer. Die Schüsse waren nicht zu hören. Buckridge zitterte bis in den Gasfuß hinunter. Dicke Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn. Er hasste Gewalt in jeder Form. Und das da war Gewalt in höchster Potenz. Hierbei konnte ein Mensch zu Tode kommen. Und nichts fürchtete Brian Buckridge mehr als das. Er wollte an keinem Mord beteiligt sein, weder direkt noch indirekt. Kidnapping war das Äußerste, wofür er sich hergab. Doch bei Mord war bei ihm der Ofen aus.

Und nun beschoss der gewissenlose Charriba den Verfolgerwagen. Das konnte die schlimmste Katastrophe geben. Deshalb stand dem Fahrer der eiskalte Schweiß auf der Stirn.

Er hoffte für den Verfolger, dass er mit dem Leben davonkommen möge.



6

Als Natalia Ustinov die orangefarbenen Mündungsblitze aufzucken sah, duckte sie sich instinktiv. Sie erkannte den Körper des Gangsters, der weit aus dem Barracuda hing. Das Licht ihrer Scheinwerfer erhellte seine rote Teufelsfratze. Er sah unheimlich aus.

Drei Schüsse blieben ohne Wirkung. Natalia hatte natürlich sofort ihren Cadillac zurückfallen lassen, um nicht Gefahr zu laufen, von dem Kidnapper getroffen zu werden.

Doch da auch das Gangsterauto seine Geschwindigkeit vermindert hatte, blieb der Abstand ungefähr gleich. Und dann klatschte die vierte Kugel in den linken Vorderreifen des honigfarbenen Caddys.

Das Fahrzeug machte sofort einen wilden Satz nach links. Natalia umklammerte verbissen das Lenkrad. Sie steuerte angestrengt dagegen, während sie gleichzeitig auskuppelte, aber nicht bremste, denn bei dieser Geschwindigkeit hätte sie sich mit dem Cadillac vermutlich überschlagen, wenn sie auf die Bremse getreten hätte.

Keuchend zerrte sie am Volant. Der Gangsterwagen nahm wieder Fahrt auf. Nat konnte ihm nicht mehr folgen. Sie war atemlos darum bemüht, einen folgenschweren Unfall zu verhindern. Der Caddy tänzelte mit kreischenden Pneus über die Betonpiste. Ein Glück, dass um diese Zeit kein Verkehr mehr über den Boulevard rollte. Nat brauchte die ganze Breite, um ihren Wagen schließlich ohne einen Kratzer zum Stehen zu bringen.

Wütend stieg sie aus.

Der Gummimantel hatte sich von der Felge gelöst. Von dem zerschossenen Reifen war so gut wie nichts mehr vorhanden.

Und von den Kidnappern konnte man dasselbe behaupten. Es war den Verbrechern geradezu spielend gelungen, sich ihres einzigen Verfolgers zu entledigen und sich mit unbekanntem Ziel ungehindert abzusetzen. Allein der Gedanke daran, dass Nat das nicht verhindern konnte, machte das ehrgeizige Mädchen rasend vor Zorn. Schlappen wie diese konnte sie auf den Tod nicht ausstehen.