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Heinz-Jürgen Schönhals

Manfred Liebetraut

oder der nicht ungefährliche Weg zum Glück





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Manfred Liebetraut

oder der nicht ungefährliche Weg zum Glück

und 8 weitere Geschichten (über Liebe,

Leidenschaft, Glück und Elend)

 

 

Auflage März 2017

 

 

 

Covergestaltung: Heinz-Jürgen Schönhals

 

 

 

 

Autor: Heinz-Jürgen Schönhals

Inhalt

 

Manfred Liebetraut

oder der nicht ungefährliche Weg zum Glück

 

Der sanfte Herr Kissler

 

Die verwehte Spur von Ulrike D.

 

Reiner Scholten sucht einen wahren Freund

und gerät in einen Kreis „gestandener“ Leute.

 

Ein schönes Mädchen

 

Das Handicap des Studienrats

 

Der Boxfan und sein ’Lumpazi’

 

Gefahrvolles Reisen nach dem Kriege

 

Der Machtmensch

 

 

 

 

 

 

 

Inhaltsangaben

Manfred Liebetraut oder der nicht ungefährliche Weg zum Glück: Der Gymnasiallehrer Manfred Lie­betraut ist in seiner Ehe mit Elisabeth nicht glücklich. Er hat sich deshalb in eine schöne Frau, Marianne Curtius, verliebt und möchte sie als Geliebte gewinnen. Die Chancen dafür stehen gut, da er deutliche, geradezu auffällige Zeichen des Entge­genkommens bei Marianne wahrzunehmen meint. Unterwegs zur Schule und später in einem Park, wo Marianne immer dann auftaucht, wenn Liebetraut dort auf einer Bank sitzt, überlegt er, wie er sein Glück mit Marianne realisieren könnte. Zunächst will er sie heute auf jeden Fall im Stadtpark, sobald sie dort auftaucht, an­sprechen. Wie aber soll er mit Marianne glücklich werden? Als Lehrer hat er der anspruchsvollen Marianne nicht viel zu bieten. Er glaubt aber, dass in ihm mehr steckt als ein bescheidenes Talent zur Ausübung des Lehrerberufs. Da er heimlich schriftstellert, hofft er, künftig als Schriftsteller groß herauszukommen, zumal er spürt, wie ihm durch die Liebe zu Marianne unglaubliche Kräfte zuwachsen. Zugleich gehen seine Gedanken in die Vergangenheit zurück. Er denkt an seine Ju­gendliebe Maja, der Marianne stark ähnelt. Hierbei fallen ihm bestimmte Ereignisse ein, und er sieht sich veranlasst, über das Wesen des Glücks nachzudenken. Dabei fällt ihm der starke Kontrast zwischen diesem höchsten Ziel und seiner jetzigen Le­benslage auf. So verstärkt sich bei ihm das Bestreben, seine jetzige triste Lage mit Hilfe der Liebe Mariannes zu verbessern. Nach einem Arztbesuch erhält sein „Glücksstreben“ einen Dämpfer. Aufgrund gewisser Bemerkungen des Arztes bildet er sich ein, schwer erkrankt zu sein. Trotzdem geht er, nach der Besprechung mit dem Arzt, am Nachmittag in den Park und wartet dort auf Marianne. Manfred ist sich nicht sicher, ob der Arzt wirklich mit seinen Andeutungen, die er eventuell überinterpretierte, eine unheilbare Krankheit meinte. Also glaubt er nach wie vor an sein künftiges Glück.

Der sanfte Herr Kissler: Der Volksschullehrer Joachim Kissler, auf dem Friedhof vor einem Grabstein sitzend, erregt das Interesse des Schülers Christoph H., der unterwegs zu seinem Freund ist, mit dem er eine Kirmes besuchen möchte. Er hatte Kissler früher einmal in der Volksschule als Lehrer gehabt. Jetzt läuft ein Scheidungsverfahren gegen den Lehrer, und die Ehefrau Kisslers wird von Christophs Vater, einem scharfen Rechtsanwalt, vertreten. Christoph hat mehrmals eine Unterredung seines Vaters mit seiner Mutter belauscht, in welcher der Charakter des Lehrers erörtert wurde. Kissler sei ein sanfter Mensch; von seiner Frau werde er als Waschlappen angesehen, hatte Christoph, an der nur angelehnten Tür zuhörend, erfahren. Der Junge, unterwegs also zu seinem Freund, hofft, auf dem Juxplatz ein Mädchen namens Elvira anzutreffen, in die er sich etwas verliebt hat. Während er dem Ausgang des Friedhofs entgegeneilt, fallen ihm noch andere Bemerkungen seines Vaters über den Volksschullehrer ein. Auf dem Kirmesplatz besuchen die Freunde mehrere Karussells, dabei sehen sie auch Elvira mit einer Freundin, die beide den Autoskootern eines Autodroms zuschauen. Die Mädchen sind aber bald verschwunden. Nachdem die Freunde noch mit einer Geisterbahn gefahren sind, suchen sie weiter nach den beiden Mädchen.

Die verwehte Spur von Ulrike D.: Der Krankenpfleger Reinhard Schlosser, in seiner Ehe mit Gudrun nicht besonders glücklich, folgt einer Einladung seines Cousins Klaus Kerner. Er hofft dort seine frü­here Verlobte Julia anzutreffen, die er einmal sehr geliebt hat. Bei Klaus verbringt er einen netten Abend. Am nächsten Tag macht Klaus’ Ehefrau Klara, die Schwester von Julia, Bemerkungen, aufgrund de­ren Reinhard annimmt, Julia wolle wieder mit ihm zusammenkommen. Julia sei unterwegs nach Waldstätten, um dort ihre Mutter zu besuchen. Er, Reinhard, könnte doch einen Abstecher nach Waldstätten machen - bittet ihn Klara - und ihrer Mutter einen Schlüssel, den diese dringend brauche, überbringen. Reinhard ist dazu gerne bereit, zumal er in Waldstätten ja Julia wiedertreffen wird. In Waldstätten zögert er, sofort zur Mutter von Julia, Adele Lam­bertz, zu fahren. Zunächst möchte er sein Heimatdorf besuchen und dort alte Erinnerungen auffrischen. Unterwegs trifft er einen alten Be­kannten, der ihm die Geschichte eines Mädchens erzählt, das vor Jah­ren einmal einer anderen den Bräutigam ausgespannt hat. Reinhard meint, diese Geschichte habe einen starken Bezug zu seiner eigenen Lebensgeschichte; auch träumt er in der Nacht von dem Mädchen, das seinen Bräutigam an eine andere verlor. Am nächsten Tag be­sucht Reinhard Frau Lambertz. Da Julia noch nicht da ist, vertreiben sich Frau Lambertz und Reinhard die Zeit mit Erzählungen. Frau Lambertz macht wie schon Klara seltsame Bemerkungen, unter ande­rem über Julia und ihren Mann, die beide in ihrer Ehe gar nicht glück­lich seien. Auch ein bestimmtes Gemälde im Wohnzimmer der Lambertz betrachtet Reinhard einge­hend. Dessen Aussage hat, wie er meint, gleichermaßen, wie schon der nächtliche Traum, einen Bezug zu seinem eigenen Leben und indirekt auch zu dem Schicksal des Mädchens, das seine große Liebe damals an eine an­dere verlor. Dieses unglückliche Mädchen hieß Ulrike D.

Reiner Scholten sucht einen wahren Freund: Der Handlungsreisende Reiner Scholten ist stark frustriert. Er hat keine Freunde, und in seiner Verwandtschaft findet er nur wenig Anerkennung. Auch hat er in seinem Job nur geringe Erfolge vorzuweisen. Die Ver­wandten machen sich vor allem über Reiners Ehefrau Rita lustig, die sie das „einfa­che Gemüt“ nennen, weil sie im­mer still und in sich gekehrt ist. Reiner hofft jetzt, durch die Vermittlung seines Bruders Walter, eines Diplomingenieurs, in des­sen Freundeskreis Freunde, zumindest einen Freund, zu finden. Während einer Soiree bei einem Rechtsanwalt lernt Scholten in der Tat nette Leute kennen, und er hofft, er könnte in diesem Kreis der Freunde Walters eine Art Heimat finden. Während des Gesellschaftsabends wird viel über literarische Themen diskutiert, unter anderem auch über Goethes Humanitätsideal. Reiner freut sich, dass er von allen so freundlich aufgenommen wurde, und er diskutiert eifrig mit.

Ein schönes Mädchen: Ein alternder Mann verliebt sich in ein schönes Mädchen. Er glaubt, er hätte bei dem Mädchen eine Chance, beginnt aber bald zu zweifeln. Während dessen wird sein Verliebt-sein immer heftiger.

Das Handicap des Studienrats: Rechtsanwalt Dr. Selbach trifft in ei­nem Park vor dem Gebäude des Landgerichts einen alten Bekannten, Ludwig Hertling, mit dem er sich früher einmal angefreundet hatte. Hertling war Lehrer am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in B. und soll, wie Selbach hörte, von der Schule „geflogen“ sein, weil er sich mit ei­ner Schülerin eingelassen hat; oder auch - hatte Selbach von anderer Seite gehört - weil er gegenüber seinem Vorgesetzten tätlich gewor­den sei. Neugierig, was es mit den Gerüchten auf sich hat, lässt sich Selbach von dem Studienrat dessen Lebensgeschichte erzählen. Sie handelt von Hertlings aufreibender Tätigkeit am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und seinem konfliktreichen Umgang mit dem Schulleiter Dr. Üppermann. Der Oberstudiendirektor habe den Studienrat in ei­nem Ausmaß schi­kaniert, dass dieser am Friedrich-Wilhelm-Gymna­sium seines Lebens nicht froh wurde. Die Beweggründe des Schullei­ters hätten in Hertlings Vorgeschichte gelegen. Er, Hertling, sei ein gescheiterter Jurist, sei durchs juristische Staatsexamen gefallen und habe dann der Juristerei den Rücken gekehrt. Obwohl er dieses Fiasko in seinem Lebenslauf verschleierte, konnte man es aus seiner Personalakte erschließen, was - wie er vermutet - Üppermann getan hat. Dann sei er noch - während seines zweiten Studiums - wegen einer Nervenkrise - kurzzeitig in psychiatrischer Behandlung gewesen. Schließlich habe er aber sein zweites Studium, das der Germanistik und Philosophie, doch noch geschafft. Für den Leh­rerberuf habe er sich durchaus geeignet gefühlt. Doch Direktor Üpper­mann, mehrmals im Beisein des Stu­dienrates über gescheiterte Ju­risten herziehend (mit dem Satz: ’Wer nichts wird, wird Wirt....’ etc), sei der Auffassung ge­wesen, am hoch­gelobten Friedrich-Wilhelm-Gy­nasium mit seinem ho­hen Anspruch hätten gescheiterte Juristen nichts zu suchen. Schließ­lich habe sich für ihn, Hertling, die Lage an der Schule dramatisch zuge­spitzt.

Der Boxfan und sein ’Lumpazi’: Der Jurastudent Ralf Herden freundet sich mit einem Kommilitonen an, einem Liebhaber des Boxsports. Dieser „Boxfan“ vertritt eine Lebensphilosophie des Kampfes und der Durchsetzung, die Herden wenig zusagt. Trotzdem hält er an der Freundschaft fest, weil der „Boxfan“ ihm eine wesentliche Stütze beim Jura-Studium ist. Der „Boxfan“ scheint eine problematische Beziehung zu einer Studentin zu haben, die jetzt mit einem anderen Studenten liiert ist. Nachdem beide Freunde das Staatsexamen bestanden ha­ben, ist Ralf über des Boxfans lieblose Urteile über durchgefallene Examenskandidaten stark befremdet. Dabei äußert dieser wieder selt­same Auffassungen über Frauen. Jahre später sieht Herden, inzwi­schen Rechtsanwalt, den „Boxfan“ auf einem Bild in einer Illustrierten wieder, oder er glaubt zumindest, es sei sein ehemaliger Studienge­nosse. In dem Illustriertenbericht ist die Rede von den verkorksten Frauengeschichten eines straffällig gewordenen Rechtsanwalts. Herden liest den Bericht mit großem Interesse.

Gefahrvolles Reisen nach dem Kriege: Der Kriegsheimkehrer Jakob Winkelmann versucht in der schwierigen Nachkriegszeit einen Koffer voll Edelmetall, den er während des Krieges an einer bestimmte Stelle vergraben hat, nach Hause zu schaffen. In einem Hauptstadtbahnhof liest er auf einem Plakat von einem Schwerverbrecher, der sich in raffinierter Verkleidung an seine Opfer heranschleiche. In dem Abteil des Zuges, das sich während der Fahrt allmählich leert, sitzt Winkelmann mit einem Pfarrer zusammen. Als der Koffer während eines abrupten Halts des Zuges aus der Gepäckablage stürzt, erfährt der Mitreisende von dem wertvollen Inhalt des Koffers. Zunehmend glaubt der Protagonist nun, es handele sich bei dem Pfarrer um den gesuchten Verbrecher. Während der Zug einmal auf freier Strecke hält, steigt der Mitreisende aus, um bei der herrschenden Dürre einen glimmenden Zigarettenstummel, den Jakob Winkelmann aus dem Fenster geworfen hat, auszutreten. Dieser erwartet nur endgültig einen Angriff des Mitreisenden.

Der Machtmensch: Der Ich-Erzähler weilt zur Kur in Bad S. Dabei kann er sich der Gesellschaft eines Kurgastes nicht erwehren, der ihn immer wieder in anstren­gende, problemhaltige Gespräche verwickelt. In die­sen Gesprächen erweist sich der fremde Kurgast als Anhänger der Machtlehre Nietzsches. Der Protagonist versucht immer wieder den ’Machmenschen’ - wie er ihn bald nennt - von seiner Ge­genpo­sition zu überzeugen, doch dieser widerlegt alle seine Argu­mente und lässt nur seine Auffassung gelten. Schließlich gelingt es dem Ich-Erzähler durch eine unfreundliche Reaktion, den ’Machtmen­schen’ abzuschüt­teln. Der schließt sich bald einem anderen Kurgast an, einem älteren Mann mit einer Glatze und seltsamen Ringellöck­chen an den Seiten, und verwickelt ihn in gleicher Weise in intensive Gespräche. - Jahre später trifft er den Mann mit den Ringellöckchen im selben Kurort wie­der, und er erkundigt sich nach dem ’Machtmen­schen’. Dieser sei auf keinen Fall ein ’Macht­mensch’ gewesen, sagt der fremde Kurgast, und er begründet seine Auffassung nä­her.