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Stella Maris

Kommunikation auf Augenhöhe Band II


Dieses Buch ist an alle Menschen gerichtet, die mehr aus sich und ihrem Leben machen möchten. Ich danke den Interessierten, die ihre Kommunikation bewusst gestalten möchten und dadurch ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zum Strahlen bringen. Besonderer Dank gilt dem Maris-Team, das mich bei der Erarbeitung der Reihe „Kommunikation auf Augenhöhe“ stets unterstützt und ermutigt hat. Danke.


BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Inhalt

Einleitung

 

Teil I

     Grundannahmen der Kommunikation

          Man kann nicht "nicht" kommunizieren

          Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

          Die Interpunktion der Ereignisfolge definiert die Beziehung

     Kommunikation kann digital oder analog erfolgen

     Kommunikation verläuft symmetrisch oder komplementär

 

Teil II

     Zwei Menschen = ein hochexplosives Gemisch?

     Störfelder im zwischenmenschlichen Bereich

     Irreführende Gespräche und entgleisende Situationen

     Konflikte vermeiden

     Sich selbst und andere verstehen lernen

 

Teil III

     Angriffe selbstsicher abwehren

     Mit Provokationen umgehen

     Gegen verbale Angriffe optimal gerüstet

          Technik 1: Die defekte Schallplatte mit Sprung

          Technik 2: Den Angriff ins Leere laufen lassen

          Technik 3: Schlagfertigkeit

          Technik 4: Nicht instrumentalisieren (lassen)

          Technik 5: Den anderen nicht schlecht aussehen lassen

          Technik 6: Zwei gleichwertige Spieler

          Technik 7: Zielscheibe

 

Teil IV

     Rückblick Band II

     Vorschau

 

Kommunikation auf einen Blick

     Testaufgabe Interpunktion der Ereignisfolge

     Testaufgabe Symmetrische und komplementäre Kommunikation

     Testaufgabe Die vier Ebenen der Kommunikation

     Testaufgabe Zwei-Stühle-Technik

     Testaufgabe Explosionsgefahr

     Testaufgabe Empathie, Kongruenz und Wertschätzung

     Testaufgabe Digitale und analoge Informationen

 

Literaturempfehlungen

Quellenverzeichnis

Überischt der Arbeitsblätter

Ihr ganz persönlicher Coach

 

Einleitung

 

Nachdem Sie sich bereits im Band I „eingelesen“ haben, geht es nun mit dem zweiten Band dieser Reihe weiter.

 

Im ersten Teil führe ich Sie an die Axiome, die symmetrische und komplementäre Kommunikation, die Interpunktion und die nonverbalen Signale, die Sie ständig aussenden, heran. Sie werden unter anderem lernen, wie sich Ihre Körpersprache auf Ihr Gegenüber auswirkt, wie nonverbale Signale interpretiert bzw. fehlinterpretiert werden und dass Sie niemals „nicht“ kommunizieren. Selbst wenn Sie schweigen, geben Sie etwas von sich preis.

 

Der zweite Teil des Buchs macht Sie mit Ihren Ängsten und den damit verbundenen Bewältigungsstrategien vertraut.

 

Des Weiteren um die Frage, warum zwei Menschen ein hochexplosives Gemisch ergeben, obwohl sie mit anderen Menschen so gut auszukommen scheinen.

 

Außerdem lernen Sie die Zwei-Stühle-Technik kennen, mit der Sie nicht nur Ihre eigenen Verhaltensweisen, Bedürfnisse, Werte, Erwartungen und Befürchtungen reflektieren, sondern auch Ihr Gegenüber besser verstehen lernen.

 

Falls Sie dennoch einmal feststecken sollten, hilft Ihnen der dritte Teil des e-books weiter, der Ihnen deutlich aufzeigt, wie Sie Angriffe selbstsicher abwehren, mit Provokationen stilvoll umgehen und in heiklen Gesprächen korrekt auftreten können. Sie werden sowohl Ihre eigenen wunden Punkte als auch die roten Knöpfe Ihres Gegenübers kennen- und verstehen lernen.

 

Im weiteren Verlauf geht es um die Stärkung Ihres Selbstbewusstseins und um die Kosten-Nutzen-Analyse, die Ihnen einen tiefen Einblick in Ihre gelebten Beziehungen ermöglicht. Ob Sie eine Beziehung retten oder abbrechen möchten, hängt unter anderem von Ihren bisherigen Erfahrungswerten mit dieser Person und der durchgeführten Analyse ab.

 

Der vierte und letzte Teil ist konzipiert, um Ihnen die einzelnen Teile dieses e-books nochmals kurz und bündig in Erinnerung zu rufen.

 

Die Zusammenfassung ist als schnelles Nachschlagewerk zu verstehen, das Ihnen in unliebsamen Situationen schnell weiterhelfen soll. Sie können jederzeit problemlos und zielsicher auf die Kurzübersicht zurückgreifen.

 

 

Hinweis: Das e-book ist in mehrere Teile gegliedert, die aufeinander aufbauen und sich gegenseitig bedingen. Um den größtmöglichen Nutzen aus dem Gelesenen zu ziehen, sollten Sie die einzelnen Abschnitte zunächst nacheinander lesen. Später können Sie diejenigen Kapitel nochmals durcharbeiten, von denen Sie sich besonders inspiriert fühlen und die Sie vertiefen möchten.

 

 

Teil I

 

 

In diesem Teil des Buchs führe ich Sie an die Axiome der Kommunikation heran.

 

Sie werden unter anderem lernen, wie sich Ihre Körpersprache auf Ihr Gegenüber auswirkt, wie die nonverbalen Signale interpretiert bzw. fehlinterpretiert werden und dass Sie niemals „nicht“ kommunizieren. Selbst wenn Sie schweigen, geben Sie etwas von sich preis.

 

Des Weiteren geht es um den Inhalts- und den Beziehungsaspekt im Gespräch, wobei der Inhalt häufig eindeutig ist und anhand von Daten, Fakten und Sachverhalten belegt werden kann - wohingegen der Beziehungsaspekt oft zwei- oder mehrdeutig sein kann, deshalb sind Spannungen in diesem Bereich nicht ausgeschlossen. Viele Menschen legen (bewusst oder unbewusst) einen besonderen Wert auf diesen Bereich.

 

Auch die inkorrekte Umsetzung der symmetrischen bzw. der komplementären Kommunikation kann zu Missverständnissen führen – Sie werden staunen.

 

Hinzu kommt die Tatsache, dass die meisten Gesprächspartner häufig davon überzeugt sind, der jeweils andere hätte (mit dem Streit) angefangen. Das wird in diesem Teil des Buchs eindeutig und verständlich widerlegt.

 

 

Grundannahmen der Kommunikation

 

Paul Watzlawick (geb. 1921 in Österreich) entwickelte die Axiome der Kommunikation.

Man kann nicht „nicht“ kommunizieren

 

 Mit dieser Grundannahme ist gemeint, dass nicht nur das gesprochene Wort in die Kommunikation mit einfließt, sondern auch paraverbale und nonverbale Signale im Gespräch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.

 

 

Beispiel:

 

Während sich Georg und Bertram in einer Kneipe unterhalten, schaut Georg ständig auf den Boden. Obwohl er sich nicht verbal ausdrückt, sendet er dennoch nonverbale Signale, die sein Freund aufgrund seiner eigenen Werte, bisherigen Erfahrungen, seiner Erwartungen und Befürchtungen interpretiert.

 

Wie Sie bereits im Band I dieser Reihe Kommunikation auf Augenhöhe erfahren haben, können aufgrund von Interpretationen vielerlei Missverständnisse und Störungen im zwischenmenschlichen Bereich auftreten. Im schlimmsten Falle sind Streitereien die Folge, die ganze Familien und Beziehungen zerstören können. Aus diesem Grunde sollten Sie immer daran denken, dass Sie immer kommunizieren; auch Schweigen ist Kommunikation.

 

 

Zurück zum Beispiel:

 

Bertram könnte den fehlenden Blickkontakt seines Freundes folgendermaßen deuten:

 

 

Anhand dieser Liste ist zweifelsfrei zu erkennen, in wie viele verschiedene Richtungen das Gespräch laufen kann.

 

Wenn Georg den fehlenden Blickkontakt beispielsweise als Desinteresse deutet, hat er seinerseits mehrere Möglichkeiten zu reagieren:

 

 

Sollte Georg die Körpersprache seines Freundes allerdings als Traurigkeit deuten, reagiert er sicherlich anders:

 

 

Obwohl Bertram nicht (verbal) spricht, sagt seine Körpersprache einiges über seinen derzeitigen Gefühlszustand aus. Da die nonverbalen Signale jedoch nur als ein ganzes Paket betrachtet werden können (ein einziges Signal sagt noch nicht viel über einen Menschen aus, mehrere kongruente Signale aber schon), hat Georg seinerseits die Qual der Wahl.

 

Interpretationen erfolgen jedoch meistens unbewusst und automatisch, deshalb entstehen Missverständnisse häufig auch unbemerkt. Zudem fließen in die Decodierung der nonverbalen Signale die Befindlichkeiten des Empfängers mit ein (eine detaillierte Erläuterung zu diesem Sachverhalt finden Sie in Band I).

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

  

Wie Sie bereits aus Band I (Kommunikationsquadrat) wissen, informiert der Sender einer Nachricht über den Sachinhalt (hier: Sachaspekt). Der Beziehungsaspekt gibt das Verhältnis der beteiligten Gesprächspartner wider.

 

Während die Sachseite Informationen, Daten, Fakten und Sachverhalte vermittelt, gibt die Beziehungsseite Aufschluss über die Bindung und das Verhältnis zwischen dem Sender und dem Empfänger.

 

 

Beispiel:

 

Mutter zur Tochter: „Maja, nimm bitte einen Regenschirm mit, es soll regnen.“

 

Auf der Sachseite steht der eindeutige Sachverhalt: Es soll regnen.

 

Die Beziehungsseite wirft für Maja allerdings einige Schwierigkeiten auf, denn sie hat mehrere Möglichkeiten zur Entschlüsselung:

 

 

Je nach Entschlüsselung der Beziehungsbotschaft wird Maja ihrerseits reagieren. Entweder es kommt zu Verständigungsschwierigkeiten und gar zum Streit oder aber Maja ist dankbar für den Hinweis ihrer Mutter.

 

 

 

 

Missverständnisse können unter anderem deshalb entstehen, weil sowohl der Sender als auch der Empfänger über einen individuellen Zeichenvorrat verfügen, mit dessen Hilfe beide die Nachricht codieren bzw. decodieren.

 

Während der inhaltliche Aspekt meist eindeutig ist und nur wenig Zweifel zulässt, sieht der Beziehungsaspekt völlig anders aus. Der Sender sendet möglicherweise Signale, die der Empfänger in den falschen Hals bekommt und nun seinerseits dementsprechend reagiert.

 

Nicht zu unterschätzen ist die Tatsache, dass der Beziehungsaspekt über dem Inhaltsaspekt steht, das heißt wenn die Beziehung stimmt, werden auch unangenehme Informationen, Daten und Fakten besser aufgenommen. Umgekehrt gilt, dass positive Informationen weniger gut aufgenommen werden, wenn der Beziehungsaspekt nicht stimmig ist. Der optimale Fall tritt ein, wenn sowohl Inhalts- als auch Beziehungsaspekt positiv gefärbt sind.

 

 

Beispiel (positiver Sach- und Beziehungsaspekt):

 

Während der Begrüßung lächelt Jana ihren Ehegatten liebevoll an und überbringt ihm freudestrahlend die positive Nachricht, dass sie die lang ersehnte Beförderung erhalten hat.

 

Sach- und Beziehungsaspekt sind eindeutig positiv. Der Ehemann freut sich für seine Frau und umarmt sie herzlich.

 

 

Beispiel (negativer Sach- und positiver Beziehungsaspekt):

 

Während der Begrüßung lächelt Jana ihren Ehegatten liebevoll an und teilt ihm mit, dass der Sprössling eine schlechte Schulnote mit nach Hause gebracht hat.

 

Trotz der weniger guten Nachricht über die schlechte Schulnote des Sohnes ist Horst seiner Frau gegenüber positiv eingestellt, weil die Beziehung stimmt und der Beziehungsaspekt klar ausgedrückt wurde (Jana lächelt ihn an).

 

 

Beispiel (positiver Sach- und negativer Beziehungsaspekt):

 

Jana lächelt Horst zwar an, verschränkt aber gleichzeitig ihre Arme vor der Brust und dreht den Oberkörper leicht weg. Beiläufig spricht sie ihre Beförderung an.

 

Janas Körpersprache könnte einerseits Desinteresse bedeuten. Andererseits könnte Jana etwas im Schilde führen und aus diesem Grunde unbewusst eine ablehnende Körperhaltung einnehmen. Oder aber sie ist einfach nur gedanklich woanders. Vielleicht sieht sie sich auch gezwungen, ihren Mann über die Beförderung informieren zu müssen, obwohl sie das gar nicht unbedingt will.

 

Nun liegt es an Horst, die Körpersprache eindeutig zu interpretieren. Um keine Missverständnisse entstehen zu lassen, könnte er die tatsächliche Beziehungsbotschaft seiner Frau mithilfe der Metakommunikation (siehe Band I) herausfinden.

 

 

Beispiel (negativer Sach- und Beziehungsaspekt):

 

Jana wertet den Vorschlag ihres Arbeitskollegen ab, weil sie ihn nicht leiden kann.

 

Da der Beziehungsaspekt gestört ist (sie mag ihn nicht), geht Jana nicht auf den Inhaltsaspekt ihres Kollegen ein, obwohl die Daten, Fakten und Informationen durchaus richtig und korrekt sind.

 

Wenn die Beziehung nicht stimmt, schleichen sich schnell Vorurteile und negative Bewertungen in das Gespräch ein, die die zwischenmenschliche Beziehung komplett zerstören (hätte Jana ihren Kollegen gemocht, wäre sie auch inhaltlich auf ihn eingegangen – zumal er ihr fehlerfreie Daten und Fakten geliefert hat). In solchen Fällen wird häufig der Inhaltsaspekt verschwommen wahrgenommen, was zusätzlich zu der „gestörten“ Beziehung erhebliche Störquellen auf der Sachebene hervorrufen kann.

 

Wenn die Beziehung stimmt, wird der Inhaltsaspekt besser aufgenommen – egal, wie negativ die Nachricht auch sein mag.

Die Interpunktion der Ereignisfolge definiert die Beziehung

 

 Jeder Gesprächspartner definiert einen eigenen Anfangspunkt (Interpunktion) des Geschehens, das heißt beide sind davon überzeugt, auf den jeweils anderen zu reagieren, weil dieser vermeintlich „angefangen“ hat.

 

 

Beispiel:

 

Jana zieht sich angeblich deshalb zurück, weil Horst sie kritisiert. Horst dagegen kritisiert Jana nur deshalb, weil sie sich von ihm zurückzieht.

 

Beide sind der Meinung, der jeweils andere hätte den Anfangspunkt gesetzt. Jana glaubt, sie ziehe sich zurück, weil Horst sie ständig kritisiert und Horst ist der Meinung, er kritisiere Jana, weil sie sich von ihm zurückzieht. Derartige Teufelskreisläufe sind in der täglichen zwischenmenschlichen Kommunikation Gang und Gäbe.

 

Da beide Partner felsenfest davon überzeugt sind, dass der jeweils andere den Anfangspunkt gesetzt hat, sind sie zu keiner kritischen Selbsteinschätzung bereit. Weshalb sollten sie auch die Fehler bei sich selbst suchen, wenn der andere doch „angefangen“ hat? Aber wer hat denn jetzt tatsächlich angefangen?

 

 

 

 

 

Anhand des Schemas ist unschwer zu erkennen, dass es keinen Anfangspunkt gibt, denn jede Kommunikation verläuft kreisförmig.

 

Vielleicht hat Horst etwas in Janas Körpersprache hineininterpretiert und daraus den Schluss gezogen: „Sie schaut mir nicht direkt in die Augen, ihr Körper ist oft abgewandt – also liebt sie mich nicht mehr“. Er beginnt, an ihr Kritik zu üben.

 

Wer hat also angefangen? War es Jana, deren körpersprachliche Signale für Horst eindeutig waren? Vielleicht sagt ihre Körpersprache aber auch etwas ganz anderes über sie aus: Rückenschmerzen zum Beispiel? Wie wir es drehen oder wenden: Keiner hat die Interpunktion gesetzt. Stattdessen ist der Kreislauf allmählich und unmerklich entstanden.

 

Falls Sie sich hin und wieder dabei ertappen sollten, beim anderen den Anfangspunkt für mögliche zwischenmenschliche Störungen zu suchen, denken Sie daran, dass keiner von beiden die Interpunktion gesetzt hat.

 

Wie kann das sein? Irgendjemand muss doch angefangen haben? Da nicht nur verbal - mit Worten - kommuniziert wird, sind Sie selbst dann mit Ihrem Gegenüber in Kontakt, wenn es schweigt.

 

Anhand der nonverbalen Signale und der Beziehungsaspekte interpretieren Sie Gefühle, Gedanken, Befürchtungen und Erwartungen in den anderen hinein. Dies geschieht meist unbewusst und aufgrund der eigenen Erfahrungen, Erwartungen und Werte. Obwohl Ihr Gegenüber kein Wort mit Ihnen gewechselt hat, haben Sie sich in Sekundenschnelle einen Eindruck von ihm gemacht. Diesen Eindruck wiederum schnappt Ihr Gegenüber auf, indem er wiederum in der gleichen Art und Weise interpretiert, wie Sie es tun. Selbst wenn Sie nicht sprechen, kommunizieren Sie, das heißt es gibt keinen „greifbaren“ Anfang.

Kommunikation kann digital oder analog erfolgen

 

Digitale Informationen sind in Zeichen verschlüsselte Nachrichten, wobei deren Bedeutungen eindeutig sind. Diese Zeichen können sein:

 

 

Analoge Informationen hingegen haben nur eine ungefähre und vage Bedeutung. Dazu zählen:

 

 

Die häufigsten Missverständnisse treten durch die analoge Kommunikation auf, die durch nonverbale und paraverbale Signale vertreten wird.

 

 

Beispiel:

 

Alex kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause. Als Dora ihrem Gatten die Tür öffnet, sieht sie sofort Tränen in seinen Augen. Viele Möglichkeiten der Interpretation sind möglich:

 

 

Da die körpersprachlichen Signale nicht eindeutig sind, ist der Ehefrau in diesem Falle anzuraten, das gerade ablaufende Kommunikationsverhalten genau unter die Lupe zu nehmen und daraufhin mithilfe der Metakommunikation (siehe Band I) mit ihrem Mann sprechen.

 

Die besten Erfolge erzielt sie, indem sie die analogen Informationen in Worte fasst und bei Alex nachfragt, wie sie gemeint sind. Die Antwort ihres Mannes liefert digitale (eindeutige) Informationen.

 

Das Gespräch könnte folgendermaßen ablaufen:

 

Dora: „Schatz, du hast Tränen in den Augen (analoge Information). Was ist los?“

Alex: „Mir ist gerade ein Fuchs vors Auto gerannt (digitale Information). Ich bin sehr traurig darüber.“

 

Während die analogen Informationen auf dem Beziehungsaspekt beruhen, liegen die digitalen Informationen auf der Sachseite, dem Inhaltsaspekt. Wie Sie bereits erfahren haben, kommen auf der Beziehungsseite die größten Hindernisse zum Tragen, deshalb sollten Sie ein ganz besonderes Augenmerk auf die analogen Informationen werfen. Hier lauern einerseits große Gefahren, die zu Missverständnissen und Streitigkeiten führen können. Andererseits kann diese Ebene zwei Menschen noch viel enger miteinander verbinden und die Menschlichkeit zum Strahlen bringen – und zwar dann, wenn offene Dialoge (wie oben) geführt werden. Folgende Reihenfolge ist dabei zu beachten:

 

  1. die analogen Informationen herausfiltern
  2. beim Gegenüber nachfragen
  3. dem Gegenüber genügend Sprechzeit einräumen
  4. aktiv zuhören
  5. Verständnis zeigen

 

Kommen wir zur Vertiefung des Sachverhalts nochmal auf das Beispiel der beiden Freunde in der Kneipe zurück.

 

 

Beispiel:

 

Während sich Georg und Bertram in einer Kneipe unterhalten, schaut Georg ständig auf den Boden. Obwohl er sich nicht verbal ausdrückt, sendet er dennoch nonverbale Signale, die sein Freund aufgrund seiner eigenen Werte, bisherigen Erfahrungen, seiner Erwartungen und Befürchtungen interpretiert.

 

Wie könnte Bertram herausfinden, was mit seinem Freund los ist?

 

1. die analogen Informationen herausfiltern:

Bertram bemerkt, dass Georg ständig auf den Boden schaut und fragt sich, ob sein Freund wohl Probleme hat. Zudem fühlt sich Bertram in dieser Situation unwohl, weil er mit den körpersprachlichen Signalen seines Gegenübers nichts anzufangen weiß. Um nicht etwas in seinen Freund hineinzuinterpretieren, wird er lieber nachfragen.

 

2. beim Gegenüber nachfragen:

Bertram: „Georg, mir ist aufgefallen, dass du die ganze Zeit auf den Boden schaust. Was ist los? Hast du Probleme? Bedrückt dich etwas?“

 

3. dem Gegenüber genügend Sprechzeit einräumen:

Georg: „Nein, mich bedrückt nichts, ganz im Gegenteil. Ich überlege die ganze Zeit, wie ich dich am besten fragen kann, ob du mein Trauzeuge werden möchtest. Hanna und ich – wir wollen endlich heiraten.“

 

4. aktiv zuhören:

Bertram hört zu und freut sich, dass er seinen Freund auf die analogen Informationen angesprochen hat. Wenn er ihn nicht angesprochen hätte und Georg nicht die richtigen Worte bezüglich der Trauung gefunden hätte, wäre wahrscheinlich ein ungutes Gefühl geblieben, das er nicht einordnen könnte. Nun weiß er, dass es seinem Freund gut geht. Seine körpersprachlichen und analogen Signale hatten nichts mit Problemen im Allgemeinen oder gar mit der Freundschaft zu tun, sondern sie waren einfach nur ein Zeichen der Unsicherheit. Georg hat krampfhaft nach Worten gesucht, um den passenden Trauzeugen an seiner Seite zu wissen.

 

5. Verständnis zeigen:

Selbstverständlich fällt Bertram ein Stein vom Herzen, weil alles in Ordnung ist. Wenn Georg tatsächlich Probleme gehabt hätte, stünde Georg jetzt die Möglichkeit offen, seinem Freund Verständnis entgegenzubringen.