Acht Leichen, acht Morde, acht Krimis

A. F. Morland

Published by BEKKERpublishing, 2019.

Inhaltsverzeichnis

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Acht Leichen, acht Morde, acht Krimis

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Tödlicher Rachefeldzug

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Die Hauptpersonen des Romans:

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FEIERABEND FÜR MISS PEAL

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DIE LETZTE ZEUGIN SCHWEIGT

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Die Haie der Commissione

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Sein Job war Mord

Die Hauptpersonen des Romans:

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Nun rate mal, wer zum Killen kommt

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Finger weg vom heißen Job!

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Further Reading: 1000 Seiten Krimi-Paket Morde für den Strandurlaub 2019

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About the Publisher

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Acht Leichen, acht Morde, acht Krimis

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VON A. F. MORLAND

Der Umfang dieses Buchs entspricht 900 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende sieben Krimis:

Tödlicher Rachefeldzug

Feierabend für Miss Peal - Inspector Ferguson ermittelt Fall 1

Die letzte Zeugin schweigt - Inspector Ferguson ermittelt  Fall 2

Sag zum Abschied leise Mord

Die Haie der Commissione

Sein Job war Mord

Nun rate mal, wer zum Killen kommt

Finger weg vom heißen Job

Von einem Einbruch bei den Keens versprechen sich der skrupellose Verbrecher Ivan Parker und seine Gang reiche Beute. Als der Hausherr, Jordan Keen, sich gegen die Sechser-Bande zur Wehr setzt, wird er kaltblütig niedergestochen. Sein Bruder Alec Keen, ein Vietnam-Veteran, begibt sich daraufhin auf einen Rachefeldzug. Aus Angst, dass Alec sich des Mordes schuldig macht, bittet Sarah, die Witwe des Ermordeten, den Privatdetektiv Bount Reiniger um Hilfe – er soll ihren Schwager rechtzeitig zur Vernunft bringen und von seinem Vorhaben, Selbstjustiz zu üben, abbringen. Doch das ist leichter gesagt als getan ...

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Copyright

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EIN CASSIOPEIAPRESS Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Tödlicher Rachefeldzug

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VON A. F. MORLAND

Der Umfang dieses Buchs entspricht 103 Taschenbuchseiten.

Von einem Einbruch bei den Keens versprechen sich der skrupellose Verbrecher Ivan Parker und seine Gang reiche Beute. Als der Hausherr, Jordan Keen, sich gegen die Sechser-Bande zur Wehr setzt, wird er kaltblütig niedergestochen. Sein Bruder Alec Keen, ein Vietnam-Veteran, begibt sich daraufhin auf einen Rachefeldzug. Aus Angst, dass Alec sich des Mordes schuldig macht, bittet Sarah, die Witwe des Ermordeten, den Privatdetektiv Bount Reiniger um Hilfe – er soll ihren Schwager rechtzeitig zur Vernunft bringen und von seinem Vorhaben, Selbstjustiz zu üben, abbringen. Doch das ist leichter gesagt als getan ...

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EIN CASSIOPEIAPRESS Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Die Hauptpersonen des Romans:

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IVAN PARKER - ER UND die Mitglieder seiner Gang kennen keine Skrupel, wenn es darum geht, leichte Beute zu machen.

Alec Keen - Als man seinen Bruder umbringt, dreht er durch und versucht, im Alleingang die Mörder zu stellen.

Sarah Keen - Sie möchte ihren Schwager nicht auch noch verlieren und bittet Bount Reiniger um Hilfe.

Debbie Anderson - Ihr fallen ein paar Namen ein, die zur Aufklärung des Verbrechens beitragen.

Bount Reiniger ist Privatdetektiv.

June March ist sein Assistentin und hilft Bount beim Lösen der Fälle.

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1

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WIR MACHEN ES WIE immer“, sagte Ivan Parker und blickte in die Runde. „Völlig unauffällig, vollkommen lautlos. Die Nachbarn dürfen nichts merken. Wir sind nicht vorhanden, verstanden?“

Seine Freunde und Komplizen nickten. Sie befanden sich bei den Brooklyn Piers, dort, wo es finster ist, bei den Ratten - und Ratten waren sie auch selbst.

Parker war ein großer, kräftiger Bursche mit furchteinflößendem Bizeps, was er bei jeder Gelegenheit zeigte. Er trug das blonde Haar im Tscherkessen-Schnitt und sah verwegen aus.

An seinem Gürtel hing eine Fahrradkette, und sein Oberkörper war in eine hellgraue Jeansjacke gehüllt, die so aussah, als hätte er sie aus der Mülltonne gefischt.

Fünf Freunde umringten ihn. Er hatte das große Sagen, das war immer schon so gewesen. Parker war eine echte Führernatur. Er ließ keinen andern neben sich gelten.

Versuchte es mal einer, dann gab es Krach, dass die Fetzen flogen, doch solche Schwierigkeiten hatte es nur anfangs gegeben. Mittlerweile hatte sich das Gefüge eingeschliffen, jeder kannte seinen Platz und keiner machte Ivan Parker die Führungsposition streitig.

Er hörte sich gern die Vorschläge der andern an, die Entscheidungen traf dann aber nur er, und seine Leute akzeptierten das, denn die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass sie dabei nicht schlecht fuhren.

Diesmal hatte Jackie Barbera, der Puertoricaner, ein Ding ausbaldowert und an Parker herangetragen. Jackie war ein glutäugiger Schönling, auf den die Mädchen flogen.

Hin und wieder musste ihn Parker deswegen ein wenig zurückstutzen, denn Jackie, dieser Luftikus, vergaß sehr leicht das Maß aller Dinge, wenn er einen Weiberrock sah.

Es war vor zwei Tagen gewesen, da hatten sich nur Ivan Parker und Jackie Barbera in einem Coffeeshop am Broadway getroffen.

„Ich bin mal wieder blank“, hatte Jackie gejammert.

„Trottel, bring nicht alles mit deinen Flittchen durch. Wenn ein Typ so aussieht wie du, dürfte ihn das Leben keinen löchrigen Cent kosten. Warum lässt du dich von den Miezen nicht aushalten?“

Jackie hob den Kopf und richtete sich auf. „Weil ich auch meinen Stolz habe.“

„Seit wann haben Puertoricaner so etwas?“

Es blitzte in Jackie Barberas Augen. Manchmal saß bei ihm das Messer ziemlich locker. Niemand anders hätte das zu ihm sagen dürfen. Bei Ivan Parker machte er eine Ausnahme, musste er eine Ausnahme machen, denn Ivan war der Boss. Ivan durfte ihn sogar ungestraft ohrfeigen.

Aber nur Ivan.

„Findest du nicht auch, dass es wieder mal an der Zeit wäre, irgendwo abzusahnen?“, fragte Jackie und trank seine Tasse aus.

Parker hob die Schultern. „Zur Zeit läuft nichts, und für ein paar Kröten rackere ich mich nicht ab. Wenn kein echter Gewinn zu erzielen ist, krümme ich nicht mal den kleinen Finger.“

„Ich weiß, wo ’ne ganze Menge zu holen ist“, sagte Jackie Barbera aufgeregt. Jetzt war es wichtig, Ivans Interesse zu wecken.

Parker sah ihn von der Seite an. „So? Wo denn?“

„Bei den Keens. Wohlhabende Leute. Jordan Keen macht Geschäfte aller Art. Er versteht einiges davon, so hört man. Seine Alte braucht nichts weiter zu tun, als schön zu sein. Das kinderlose Ehepaar besitzt nicht nur ein beruhigendes Bankkonto, die beiden lieben es auch, sich wertvolle Dinge zu kaufen. Antike Möbel, alte, wertvolle Uhren, Schmuck, teure Bilder. Wenn wir dieses Haus ausräumen, sind wir für mindestens ein halbes Jahr saniert, wie gefällt dir das?“

„Hört sich nicht übel an“, gab Ivan Parker zu. „Beinahe verlockend.“ Jackie grinste breit. „Ich wusste, dass du anbeißen würdest, Ivan. Ich sag’ dir, die Sache lohnt sich. Dazu noch die Frau ... Was Schönes, Handliches. Parker stieß den Puertoricaner mit dem Zeigefinger an. „Von der lässt du die Finger, klar?“

„Du solltest sie mal sehen. An der ist allerhand dran. Nicht umwerfend schön, verstehst du, aber durch und durch eine Frau, ein Rasseweib, sage ich dir. Die macht einen ganz schön scharf.“

„Hört, hört, der Fachmann kommt ins Schwärmen“, sagte Parker grinsend. Aber er wurde schnell wieder ernst. „Und wenn es Raquel Welch ist, du rührst sie nicht an, verstanden? Solltest du dich nicht an meinen Befehl halten, bist du von Anfang an draußen.“

Jackie erschrak. „Das kannst du mir nicht antun, Ivan. Wo der Tipp doch von mir ist.“

„Du brauchst nur zu tun, was ich sage, dann ist alles okay.“

„Geht schon in Ordnung, ’n Haufen Kohle ist mir lieber als jede Mieze.“

„Sehr vernünftig. Und nun erzähl mir mal mehr über dieses wohlhabende Ehepaar. Es hat keine Kinder.“

„Nein, Ivan.“

„Hat es einen Hund? Einen schönen großen Wachhund, der uns die Hosen vom Hintern reißt, wenn wir uneingeladen aufkreuzen?“

Der Puertoricaner schüttelte den Kopf. „Nein, Ivan, es gibt auch keinen Hund.“

Parker grinste. „Die Leute werden mir immer sympathischer. Irgendeine raffinierte Alarmanlage, an der wir uns die Zähne ausbeißen?“

„Keine, Ivan.“

Parker wiegte den Kopf. „Mann, Mann, ich kann nur sagen, die Keens sind verdammt unvorsichtig.“

In den darauffolgenden beiden Tagen beobachteten Parker und seine Leute das Haus des Geschäftsmannes rund um die Uhr. Sie beschäftigten sich auch mit den Lebensgewohnheiten der Nachbarn, und dann erstellte Ivan Parker seinen Plan, nach dem sie vorgehen würden.

Eigentlich war es immer derselbe Plan, mit geringfügigen Abweichungen, die auf die jeweiligen Gegebenheiten abgestimmt waren. Ein Erfolgsrezept, das sich schon oft bewährt hatte und sich auch weiterhin bewähren würde.

Parker und seine Freunde waren ein eingespieltes Team. Sie brachten zwar nicht immer so viel Mut wie er auf, wenn eine Situation mal brenzlig wurde, aber aus Angst hatte ihn noch nie einer im Stich gelassen.

Das würde er auch keinem raten. In seiner Wut hätte er den Mann glatt kaltgemacht.

Jetzt, auf dem Pier, sah er seine Freunde der Reihe nach an. „Noch irgendwelche Fragen? Ist irgendetwas unklar? Wenn ja, dann fragt jetzt, nicht erst, wenn wir im Haus der Keens sind.“

Es gab keine Fragen.

„Wo steht der Kastenwagen?“, wollte Parker wissen.

„Schon vor dem Haus“, antwortete Jackie Barbera. „Wir brauchen nur noch einzuladen.“

Parker nickte zufrieden. Er hatte gestern mit dem Fernglas in das Haus der Keens gesehen und eine ungefähre Aufstellung von dem gemacht, was sie sich holen würden.

Diese Liste hatte er seinem Hehler, mit dem er schon seit Jahren zusammenarbeitete, vorgelegt, und der Mann hatte gesagt: „Kann ich alles gebrauchen. Her damit. Wann steigt die Sache?“

„Morgen“, hatte Parker geantwortet.

„Dann lasst euch mal nicht erwischen.“

„Ist das elfte Gebot - ich weiß.“

„Auf geht’s, Jungs“, sagte Ivan Parker jetzt und begab sich mit seinen Freunden zu den beiden Fahrzeugen, die sie für den Coup gestohlen hatten. „Wir müssen wieder mal ein bisschen Geld verdienen.“

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2

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MIGRÄNE ... MANCHMAL hatte sie sie so stark, dass sie sich bei verdunkelten Fenstern hinlegen musste. Heute plagte sie diese Krankheit in abgeschwächter Form, und Sarah Keen hoffte, die Kopfschmerzen mit einer Tablette loszuwerden.

Immer wenn ein starker Wetterumschwung zu erwarten war, wurde sie davon gequält. Manchmal war ihr übel, und sie glaubte, der Kopf müsse ihr zerspringen.

Sarah Keen begab sich ins Bad. Sie trug einen fliederfarbenen Schlafrock, und wenn sie einen Blick in den Spiegel warf, konnte sie nicht verstehen, dass ihr Mann sie attraktiv fand.

„Heute siehst du mal wieder abscheulich aus“, sagte sie zu ihrem Spiegelbild. Der Schmerz hatte ihr Falten ins Gesicht gegraben, und graue Schatten lagen unter ihren Augen.

Sie fuhr sich mit den Fingern durch das schwarze Haar, füllte ein Glas mit kaltem Wasser und suchte im Medikamentenschrank nach den Migränetabletten. Nachdem sie eine davon geschluckt hatte, kehrte sie ins Wohnzimmer zurück und ließ sich ächzend in einen Sessel fallen.

Jordan, ihr Mann, hatte angerufen und gesagt, dass es etwas später werden würde. „Ich hoffe, es macht dir nichts aus, Liebling.“

„Hast du so viel zu tun?“

„Ich muss mit einem Geschäftsfreund essen gehen, aber ich verspreche dir, es so kurz wie möglich zu machen, damit du nicht allzu lange allein bist, okay?“

„Schon gut“, sagte Sarah Keen verständnisvoll. Sie wusste, dass ihr Mann lieber zu Hause aß und seine Zeit lieber mit ihr als mit Geschäftsleuten verbrachte, aber das gehörte nun mal zu seinem Job, davor konnte er sich nicht drücken. Die dicksten Happen, die einträglichsten Geschäfte wurden erfahrungsgemäß nicht in seinem Büro, sondern beim Essen abgeschlossen.

„Wenn du möchtest, kannst du gern mitkommen“, schlug Jordan Keen seiner Frau vor.

„Ach nein, lass nur, ich bleibe lieber zu Hause.“

„Fühlst du dich nicht wohl, Sarah?“, fragte Keen besorgt. „Deine Stimme klingt so matt.“

„Ein bisschen Migräne.“

„Soll ich die Verabredung absagen?“

„Nein, um Himmels willen, das ist wirklich nicht nötig. Es ist nicht so schlimm. Es kann nur sein, dass ich schon schlafe, wenn du nach Hause kommst.“

„Ich werde ganz leise sein, damit ich dich nicht störe.“

„Du bist sehr rücksichtsvoll, Jordan. Ich danke dir dafür.“

Sarah legte den Kopf auf die Sessellehne und versuchte, sich zu entspannen. Bald würde die Tablette wirken, dann würde es ihr besser gehen. Sie wollte noch nicht zu Bett gehen, nicht, wenn es nicht unbedingt nötig war.

Wenn Jordan nach Hause kam, unterhielt er sich noch gern mit ihr über das, was ihn beschäftigte. Sie gehörte zu den Frauen, die regen Anteil am Berufsleben ihres Mannes nahmen.

Andere Frauen wussten nur, dass ihre Männer morgens weggingen und abends nach Hause kamen. Was sie dazwischen machten, davon hatten sie keinen blassen Schimmer, es interessierte sie nicht. Jeder führte sein eigenes Leben, hatte seine eigenen Sorgen, mit denen er den andern nicht belästigen durfte.

So war es bei Sarah und Jordan Keen nicht. Sie führten eine glückliche, harmonische Ehe, und so mancher gute Impuls war von Sarah ausgegangen. Sie wusste über alle wichtigen Geschäftsentwicklungen Bescheid, sodass sie, wenn es sein musste, ihren Mann ab und zu sogar vertreten konnte.

Es war ein ruhiger, stiller, einsamer Abend. Dass sich das in Kürze schlagartig ändern würde, ahnte Sarah Keen zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

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CAPTAIN TOBY ROGERS, der gewichtige Leiter der Mordkommission Manhattan C/II, schien im Lotto gewonnen zu haben. Jedenfalls war bei ihm so etwas wie ein kleiner Reichtum ausgebrochen, der ihn veranlasste, sämtliche Möbel hinauszuwerfen und sich völlig neu einzurichten.

Er beauftragte damit allerdings keinen Innenarchitekten, sondern zeigte, dass er einen eigenen Geschmack hatte. Die Tüpfelchen auf dem i sind in jeder Wohnung die Bilder.

Für sie den richtigen Platz zu finden, stellte plötzlich eine unerwartete Schwierigkeit dar, aber der Captain wusste sich zu helfen. Er griff zum Telefon und rief seinen Freund Bount Reiniger an.

„Eigentlich sehen es meine Vorgesetzten nicht gern, dass ich mich mit einem Schnüffler abgebe“, sagte er grinsend. „Aber was soll ich machen? Ich hatte mich im Laufe der Jahre so an dich gewöhnt wie an einen alten Hut.“

„Was kann der alte Hut für dich tun?“, brummte Bount Reiniger.

„Du eigentlich sehr wenig, denn du bist ja gefürchtet wegen deines schlechten Geschmacks.“

„Wann habe ich dir zum letzten Mal ein blaues Auge geschlagen, Toby?“

„Ich kann mich nicht entsinnen..

„Ich denke, dann wird es wieder mal Zeit. Also was willst du? Ich kenne den Grund deines Anrufs immer noch nicht.“

„June - das ist unbestritten - hat einen hervorragenden Geschmack.“

„Richtig, deshalb ist sie auch noch bei mir beschäftigt.“

„Selbst June March haut eben ab und zu mal daneben. Wir sind alle nur Menschen. Im Großen und Ganzen kann man sich aber auf ihren guten Geschmack verlassen. Die kleine Entgleisung mit dir darf man nicht so tragisch nehmen.“

„Das gibt demnächst zwei Veilchen!“, sagte Bount lachend. „Von jetzt an solltest du dir genau überlegen, was du sagst, und mit deinen Äußerungen vorsichtig sein, denn ein drittes Auge hast du nicht.“

„Ich habe das alte Gerümpel aus meiner Wohnung entfernt und mir neue Möbel geleistet“, sagte Toby stolz.

„Ist nicht wahr.“

„Doch, und nun brauche ich Junes Hilfe.“

„Wozu?“

„Ich habe mir einige Bilder zugelegt und weiß nun nicht genau, wo ich sie hinhängen soll.“

„Wie wär’s mit der Toilette.“

„So ein genialer Vorschlag kann nur von dir kommen. Darf ich mir June ausleihen?“

„Du tickst wohl nicht richtig.“ „Wieso?“

„Ich lasse June doch nicht allein deine Wohnung betreten. Du bist Junggeselle.“

„Du auch.“

„Bei mir ist das etwas anderes, mein Lieber. Oh nein, Kamerad, bei aller Freundschaft, aber mein bestes Stück schicke ich bestimmt nicht in die Wohnung eines stadtbekannten Lustmolchs. Wenn dir Junes Geschmack so viel wert ist, komme ich auch mit. Bei der Gelegenheit können wir die neu eingerichtete Bude gleich gebührend einweihen.“

„Ich weiß nicht, ob mir das nicht zu kostspielig wird.“

„Natürlich! Toby, der Schotte! Er schlägt mal wieder voll zu! Also gut, die Getränke steuere ich bei. Ist deine Geizkragenseele damit zufrieden?“

„Wenn June allein käme, wäre mir das bedeutend lieber.“

„Das glaube ich dir aufs Wort, aber das kannst du dir aus dem Kopf schlagen. Entweder engagierst du uns beide, oder du machst Brennholz aus den Bilderrahmen.“

„Na schön, dann beiße ich eben in den sauren Apfel.“

„Wunderbar. Wir danken für die herzliche Einladung“, antwortete Bount Reiniger und legte auf.

Das war kurz bevor Ivan Parker mit seinen Komplizen das Haus der Keens erreichte ...

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PARKER SAGTE KEIN WORT. Er schnippte nur mit dem Finger, gab ein kurzes Handzeichen, und drei Kerle rannten um das Haus. Parker stand mit Jackie Barbera und David Shay hinter einem Strauch und blickte auf seine Uhr.

Lautlos ... Er liebte es, lautlos zu arbeiten, das war geradezu ein Tick von ihm. Seinen Freunden schärfte er ein, stets Schuhe mit dicken weichen Kreppsohlen zu tragen.

Die Lautlosen, so nannte er sich und seine Männer hin und wieder. Sie plünderten mitten in der Stadt Apartments oder Häuser aus, ohne dass es die Nachbarn mitkriegten.

In den Wohnungen oder Häusern ihrer Opfer ging es zwar ab und zu ganz schön rund, aber sie sorgten stets dafür, dass nichts davon nach draußen drang.

Die lautlosen Räuber ... Wieder einmal schlugen sie zu. Es gehörte zu ihren Gewohnheiten, die Opfer zu terrorisieren, den Leuten so viel Angst einzujagen, dass diese manchmal erst nach Stunden den Mut aufbrachten, die Polizei zu alarmieren.

Bis dahin waren die Lautlosen dann natürlich längst über alle Berge.

Wie gesagt, es hatte für Parkers Bande noch nie ein Problem gegeben. Noch nie brauchten sie jemanden zu töten, sie hätten aber nicht davor zurückgeschreckt, es zu tun, wenn es nötig gewesen wäre.

Sie waren hart und unerbittlich, trugen Herzen aus Granit in ihrer Brust. Tränen rührten sie ebenso wenig wie das Flehen kranker, alter Leute. Sie holten sich, was sie haben wollten. Wie Hyänen fielen sie über ihre Mitmenschen her, und keinem sollte es jemals in den Sinn kommen, sie daran zu hindern, denn der lebte garantiert nicht mehr lange.

Die Polizei hatte nur vage Kenntnis vom Treiben der Bande. Da man Ivan Parker und seinen Komplizen mit bloßen Vermutungen nicht beikommen konnte, ließ man sie in Ruhe und wartete darauf, dass die Verbrecher einen Fehler machten.

Doch bisher war ihnen noch kein Fehler unterlaufen, und das Glück schien ihnen auch weiterhin hold zu sein.

Parker ließ den Arm mit der Uhr sinken. „Jetzt müssen sie den Hintereingang erreicht haben. Kommt!“

Shay und Barbera folgten ihm. Geduckt schlichen sie über den teppichweichen Rasen, erreichten eine kurze Treppe, die zur Haustür hinaufführte, und stiegen die Stufen hoch.

Parker griff in seine ärmellose Jacke und holte eine Pistole mit Schalldämpfer heraus. Shay nagte an seiner Unterlippe. Er war mittelgroß und brünett.

Jackie Barbera wischte sich mit dem Daumen mehrmals über die Nase. Sie waren alle nervös wie die Traber vor dem Start. Es konnte immer mal etwas schiefgehen. Sämtliche Gefahren ließen sich niemals ausschalten.

Deshalb hatten sie auch alle immer dieses unangenehme Kribbeln im Bauch - auch Ivan Parker -, das sich erst legte, wenn sie sich aus dem Staub machten. Parker streifte seine Begleiter mit einem kurzen Blick.

Sie waren bereit.

Er drückte auf den Klingelknopf. Das Läuten mussten die andern drei an der Hintertür hören. Während Sarah Keen nun an die Tür kam, konnten die andern unbemerkt ihre Arbeit tun.

„Wer ist da?“, wollte die Frau wissen.

„Eine Eilsendung, Mrs. Keen“, sagte Parker freundlich.

Die Frau öffnete die Tür, der Ivan Parker sofort einen kraftvollen Tritt gab. Die Tür knallte gegen Sarah Keen. Aufschreiend fiel die Frau gegen die Wand.

David Shay flitzte an Parker vorbei. Er hielt jetzt ein Messer in der Hand und setzte es der Frau an die Kehle. Seine zweite Hand legte er ihr auf den bebenden Mund und zischte: „Keinen Laut, Freundin, sonst bist du dran!“

Sarah Keen starrte die drei Männer aus furchtgeweiteten Augen an. Ivan Parker und Jackie Barbera traten rasch ein und schlossen die Tür hinter sich. Barbera eilte weiter.

Die Männer, die die Hintertür geknackt hatten, kamen aus der anderen Richtung. Obwohl Jordan Keen um diese Zeit noch nicht zu Hause sein konnte, vergewisserten sich die Verbrecher, dass sie mit der Frau allein waren.

Jackie Barbera kam wenige Augenblicke später zurück. Er nickte. „Alles in Butter.“

„Vorwärts!“, kommandierte daraufhin David Shay und stieß die verstörte Frau vor sich her. Sarah Keen stand Todesängste aus. „In den Livingroom!“

Dort sah die Frau, dass sie es mit doppelt so vielen Verbrechern zu tun hatte. Sechs verwilderte Gestalten, Gesetzlose, die weder Tod noch Teufel fürchteten. Der Gestank der New Yorker Unterwelt war bei ihr eingedrungen.

Verwahrloste Kerle mit zum Teil langen, öligen, zotteligen Haaren ... Arbeitsscheues Gesindel, das von Ehrlichkeit und Redlichkeit nichts hielt. Es war einfacher und bequemer, sich am Eigentum anderer zu vergreifen, und es brachte vor allem mehr ein. Sie holten mit einem Minimum an Arbeit ein Maximum an Profit für sich heraus.

„Setzen!“, befahl Shay, und als Sarah Keen nicht sofort gehorchte, gab er ihr einen derben Stoß, der sie in einen Sessel beförderte.

Ivan Parker baute sich breitbeinig vor ihr auf. „Wo ist dein Mann? Noch im Büro? Wann kommt er nach Hause?“

„Ich weiß es nicht ...“, presste die zitternde Frau mühsam hervor.

„Er kommt immer zur selben Zeit nach Hause“, sagte Parker.

„Meistens.“

„Gestern und vorgestern war es zwanzig Uhr.“

„Heute ... heute wird er früher kommen“, sagte Sarah Keen schnell. Sie hoffte, die Verbrecher damit aus dem Haus scheuchen zu können. „Er rief mich vorhin an. Ich sagte ihm, dass ich mich nicht wohl fühle ... Vielleicht befindet er sich schon auf dem Heimweg.“

Parker lächelte kalt. „Es wäre besser für ihn, heute Überstunden zu machen.“

Seine Männer begannen mit der Arbeit. Sie nahmen Gemälde von der Wand, stellten Vasen und anderes teures Zierrat auf einem Tisch zusammen, öffneten die Schränke, holten Jordan Keens teure Fotoausrüstung heraus. Sie kassierten ein schweres tragbares Stereo-Transistorgerät, rollten einen Wandgobelin zusammen und legten auch den teuren Perserteppich für den Abtransport bereit.

Einer von ihnen, Kevin Stoker, stand am Fenster und behielt die Straße im Auge, damit es zu keiner unliebsamen Überraschung kommen konnte.

Während Ivan Parker durch die Räume ging und nach weiteren Wertgegenständen suchte, die sich verhältnismäßig leicht abtransportieren ließen, schickte Jackie Barbera David Shay zu den anderen.

„Lass nur, ich kümmere mich schon um die Lady“, sagte er grinsend.

„Mach aber keinen Quatsch, hörst du?“, sagte Shay. Er half mit, das Diebesgut zusammenzutragen.

„Na, du“, sagte Barbera zu Sarah Keen. „Kam reichlich unverhofft, unser Besuch, was? Vielleicht hätten wir uns vorher anmelden sollen.“

„Ich ... ich werde die Polizei ...“

„Aber Baby, das kannst du uns doch nicht antun. Wo wir doch so schrecklich nett zu dir sind.“

„Mein Mann musste schwer arbeiten, um all das kaufen zu können, was ihr uns wegnehmt!“

„Sein Fehler. Niemand hat es ihm befohlen. Wenn ihr beide arm wie eine Kirchenmaus wärt, wären wir nie auf die Idee gekommen, bei euch abzustauben. Es hat im Leben eben alles auch seine Schattenseite. Wie alt bist du? Dreißig? Ich mag reife Frauen. Die wissen schon, worauf’s ankommt. Du siehst verdammt gut aus.“

Sarah krallte die Finger in ihren fliederfarbenen Schlafrock, damit ihr der Puertoricaner nicht in den Ausschnitt sehen konnte.

„Du bist bestimmt sehr gut - du weißt schon, wo. Dein Mann ist ein Glückspilz. Ich würd’s zu gern mal mit dir ausprobieren.“

„Wenn Sie mich anfassen, dann ...“ Barbera lachte. „Was ist dann?“

Er leckte sich die Lippen, und es fiel ihm verdammt schwer, sich zu beherrschen. Zum Teufel mit Ivan. Warum sollte er die Frau ungeschoren lassen? Sie gehörte gewissermaßen mit zur Beute, also wollte Jackie Barbera seinen Anteil davon haben.

Die anderen konnten sich ja auch bedienen ...

„Steh auf, wir gehen ins Schlafzimmer!“, zischte Barbera. Ein dünner Schweißfilm glänzte auf seiner Stirn.

Sarah schüttelte entsetzt den Kopf. „Nein, bitte tun Sie mir das nicht an!“ Jackie Barbera grinste. „Du wirst deinen Spaß daran haben, das verspreche ich dir, Baby. Nun komm schon, zier dich nicht so!“

Sarah schüttelte wieder den Kopf. Sie klammerte sich an den Sessel.

„Du kommst jetzt mit mir!“, keuchte Barbera und griff nach ihr, doch bevor er sie erwischte, hieb ihm eine Pranke schwer auf die Schulter und riss ihn herum.

Ivan Parker war es. „Du verdammter Idiot! Kannst du dich nie beherrschen?“, fauchte er den Puertoricaner an, und dann schlug er mit der Schalldämpferpistole zu.

Barbera stürzte und presste beide Hände auf das schmerzende Gesicht. Eine Zornwelle überflutete ihn, und für einen Moment sah es so aus, als wollte er aufspringen und Parker angreifen.

Dem Boss der Bande blieb das nicht verborgen. „Na los, Junge, versuch’s. Dann jage ich dir eiskalt eine Kugel in deinen verdammten hirnlosen Schädel!“

Spannung knisterte, die anderen hielten inne, warteten ab. Jackie Barbera ließ die Hände sinken und lachte verlegen. „He, Mann, das würdest du doch nicht wirklich tun.“

„Es würde mir nicht das Geringste ausmachen!“, erwiderte Parker eisig.

„Wir sind doch Freunde, das sind wir doch, oder?“

„Nicht mehr lange, wenn du nicht spurst.“

„Ich werde mich bessern“, versprach Barbera und erhob sich. Er wandte sich an Sarah Keen. „Nichts für ungut, Lady, aber wenn ich so was Hübsches sehe, fällt es mir sehr schwer, die Finger davon zu lassen ...“

„He!“, rief in diesem Augenblick der aufmerksame Kevin Stoker. „Jordan Keen kommt nach Hause!“

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WOHER HAT TOBY DENN das viele Geld, um sich komplett neu einrichten zu können?“, fragte June March, Bount Reinigers blonde Assistentin, neugierig.

„Keine Ahnung. Vielleicht ließ er sich mal ordentlich bestechen“, erwiderte Bount Reiniger grinsend.

„So etwas gibt es bei Toby nicht, das weißt du.“

„Heißt es nicht, jeder Mensch hat seinen Preis?“

„Das trifft auf Toby ebenso wenig zu wie auf dich“, behauptete June. „Ein schöner Freund bist du. Wie kannst du nur so schäbige Verdächtigungen aussprechen?“

„Man wird doch wohl noch einen kleinen Scherz machen dürfen.“ Bount grinste.

„Damit nicht.“

„Dann bitte ich um Entschuldigung“, sagte Bount.

Sie standen im Lift, und Bount umarmte drei Schnapsflaschen. Jede einzelne steckte in einer braunen Papiertüte. Der Fahrstuhl hielt an. June öffnete die Tür und verließ die Kabine.

Bount Reiniger trug die Flaschen hinter ihr her. June läutete an Tobys Wohnungstür. Als der Captain öffnete, knipste sie ihr strahlendstes Lächeln an, trat auf ihn zu und küsste ihn auf die Wangen.

„Viel Glück im neuen alten Heim, Toby“, sagte sie.

„War es dir möglich, deinen Chef diesen alten Miesepeter, abzuhängen?“, fragte er hoffnungsvoll.

„Die Freude würde ich dir nie machen“, konterte Bount und trat schadenfroh grinsend in Tobys Blickfeld.

„Da ist er ja, und ich dachte, es würde ein netter Abend werden.“

„Ich hab’ dir was für deine sicherlich mit gähnender Leere protzende Hausbar mitgebracht. Sollte dich das nicht versöhnlich stimmen?“, entgegnete Bount Reiniger und trat ein.

Der Captain nahm ihm die Flaschen ab, bedankte sich aber nicht extra dafür, sondern grinste nur.

„Machen wir gleich mal einen Rundgang?“, fragte June. „Ich bin schon sehr neugierig.“

„Ja“, sagte Bount stichelnd, „und anschließend suchen wir einen hübschen Platz für die zwei Bilder aus, die sie dir als Werbegeschenk zu den Möbeln überlassen haben.“

„Du wirst gleich Augen machen!“, kündigte Toby an. „Was du sehen wirst, stellt alles, was sich in deiner Bruchbude befindet, bei weitem in den Schatten.“

„Keine langen Vorreden. Lass uns die aus Aprikosenkisten angefertigten Möbel bewundern“, verlangte Bount.

Der Captain machte mit ihnen einen Rundgang durch das Apartment, und Bount war tatsächlich sprachlos. Toby hatte bei der Auswahl der Möbel mehr Geschmack bewiesen, als Bount ihm je zugetraut hätte. Es gab in den Räumen neue Teppichböden und Vorhänge, und alles war im Farbton effektvoll aufeinander abgestimmt. Die Möbel waren natürlich nicht oberste Preisklasse, schließlich leitete Toby nur die Mordkommission und nicht ein Ölimperium, aber es waren gute, zum Teil sogar recht attraktive Stücke, die er sich geleistet hatte.

„Im Vertrauen“, sagte Bount mit gedämpfter Stimme, „hast du die Seiten gewechselt? Mir kannst du es verraten, ich bin dein Freund. Hast du eine Bank beraubt?“

„Ich habe jahrelang gesät - Versicherungssparen nennt man das -, und nun konnte ich endlich ernten.“ „Nicht übel, alles zusammen“, musste Bount Reiniger zugeben. „Und wo ist das Bild, das wir dir aufhängen sollen?“

„Es sind mehr als zehn.“

„Was übrig bleibt, hängen wir in irgendeinen Schrank, das ist mal was Neues“, meinte Bount.

Toby zeigte ihnen die Bilder. Sie waren unterschiedlich groß, unterschiedlich gerahmt und zeigten unterschiedliche Motive. June sah sie sich alle an, ließ die Atmosphäre, die sie vermittelten, auf sich einwirken, und machte dann ihre Vorschläge, die Toby Rogers alle akzeptierte.

Bount übernahm die Aufgabe, die Nägel einzuschlagen. Als er damit fertig war, als das letzte Bild an der Wand hing, sagte Bount Reiniger: „So, nachdem wir uns für dich abgerackert haben, sollten wir zum gemütlichen Teil übergehen und die neue alte Wohnung ordentlich einweihen.“

Das war, als Jordan Keen die Stufen zur Haustür hinaufstieg ...

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BRAUNER, ELEGANTER Maßanzug, schwarze, stets glänzende Schuhe, weißes Hemd, gestreifte Krawatte ... Jordan Keen war eine elegante Erscheinung. Sein offenes Gesicht, das ehrliche Wesen sorgten dafür, dass ihm seine Geschäftspartner uneingeschränktes Vertrauen entgegenbrachten.

Er hielt nichts davon, andere Leute übers Ohr zu hauen.

Ehrlich währt am längsten, nach dieser Devise lebte Jordan Keen, und damit machte er sich nicht nur einen guten Namen, sondern er ersparte sich auch viel Ärger.

Drinnen im Haus flitzten die Gangster durch das Wohnzimmer. Jeder bezog den Posten, den ihm Ivan Parker zuwies. Der Boss der Bande kümmerte sich jetzt selbst um Sarah Keen.

„Keinen Mucks!“, raunte er ihr zu.

Er stand hinter ihr. Sein Unterarm drückte gegen ihre Kehle, und die Waffe wies auf ihre Schläfe.

„Wenn du mich zwingst, drücke ich ab, Baby!“, sagte er.

Sarah blickte entsetzte zur Tür. Bleib draußen, Jordan!, dachte sie. Komm um Himmels willen nicht herein! Ihr Mann war kein Feigling. Wenn er zornig war, ließ er sich nicht einmal von diesen sechs Verbrechern einschüchtern. Und er würde zornig sein, wenn er seine Frau in der Gewalt dieser Gangster sah.

Draußen zog Jordan Keen die Schlüssel aus der Tasche. Aus dem Geschäftsessen war glücklicherweise nichts geworden. Sein Partner hatte ihn gebeten, es auf morgen zu verschieben.

Eine größere Freude hätte er ihm nicht machen können, denn dadurch war es Keen möglich, früher zu seiner Frau nach Hause zu fahren, die sich nicht wohlfühlte.

Wenn ich ihn nur warnen könnte!, dachte Sarah verzweifelt. Wenn Jordan ihren Befehlen nicht gehorcht, machen sie kurzen Prozess mit ihm! Soll ich mich für ihn opfern? Soll ich schreien?

Vielleicht hätte sie es getan, doch ehe sie sich endgültig dazu entschließen konnte, öffnete Jordan Keen die Tür.

Und dann überstürzten sich die Ereignisse. Keen sah Toby Parker mit Sarah mitten im Livingroom stehen, und im selben Augenblick wurde er von jenen Kerlen angegriffen, die hinter der Tür gelauert hatten.

Er wehrte sich. Kraftvoll schlug er zu. Er warf sich den Typen mit einer Wildheit entgegen, die Sarah erschreckte. Das würden sich die Verbrecher nicht bieten lassen.

Sie würden stärker zurückschlagen, denn sie waren ja in der Überzahl ... Da die Gangster mit keiner so heftigen Gegenwehr gerechnet hatten, erzielte Jordan Keen einen beachtlichen Anfangserfolg, doch das Blatt wendete sich sehr bald. Die Gegner packten ihn schließlich - drei, vier Männer zugleich -, und irgendein Faustschlag streckte ihn nieder.

Vier Schritte von Sarah entfernt landete er auf dem Boden. Jackie Barbera gab ihm einen Tritt, der Sarah ebenso schmerzte wie ihren aufstöhnenden Mann. „Möchte vor seiner Frau den Helden spielen, der Blödmann!“, knurrte der Puertoricaner. „So dämlich kannst auch nur du sein, Keen!“

Abermals erhielt Jordan Keen einen Tritt. Der Mann presste die Lippen zusammen. Rote Kreise tanzten vor seinen Augen.

„Schluss jetzt!“, rief Ivan Parker. „Das reicht! Stellt ihn auf die Beine, Jungs!“

David Shay und Woody Harris, ein spindeldürrer Dunkelhäutiger mit schwarzer Wollmütze, rissen Keen hoch.

„Lassen Sie meine Frau in Ruhe, Sie verdammter Kerl!“, fauchte Keen.

„Du hast hier nichts zu sagen!“, blaffte Ivan Parker. Er wies auf das Diebesgut, das für den Abtransport bereitlag. „Wir haben uns bedient, Freund, ich hoffe, es macht dir nicht allzu viel aus. Du kannst das bestimmt verschmerzen. Typen wie du machen ein krummes Geschäft, und die Kasse stimmt schon wieder.“

„Ich mache keine krummen Geschäfte, niemals.“

„Dann bist du ein Vollidiot und gehörst bestraft“, sagte Parker. „Wie du siehst, ist unsere Sammlung noch nicht vollständig. Du hast im Laufe der Jahre deiner süßen Frau doch sicherlich eine Menge Schmuck geschenkt. Wo ist der? Ich konnte ihn nicht finden.“

Keen hob trotzig den Kopf. „Wir haben keinen Schmuck.“

„Du erwartest doch nicht, dass ich dir das abkaufe. Für wie dämlich hältst du mich, Keen? Du sagst mir jetzt auf der Stelle, wo ihr den Schmuck aufbewahrt, oder deiner Frau geht es schlecht!“

„Sie verdammtes Schwein!“, schrie Keen außer sich vor Wut.

„Nicht so laut. Müssen uns denn unbedingt die Nachbarn hören?“, sagte Parker kalt lächelnd. „Ich bin für die lautlose Masche, verstehst du? Wenn du Radau machst, und die Nachbarn die Bullen alarmieren, sehe ich mich gezwungen, dich und deine nette Frau umzulegen, das ist dir doch wohl klar. Also sei vernünftig, dann wird euch beiden nichts geschehen.“

Ivan Parker musterte Jordan Keen kalt. Er bewunderte diesen Mann sogar ein wenig. Es gehörte schon einiger Mut dazu, sich von Männern wie ihnen nicht einschüchtern zu lassen.

„Wo sind die Klunker?“, fragte er hart.

Sarah zitterte wie Espenlaub. Ihre Kehle war vor Angst wie zugeschnürt, dass sie kaum noch atmen konnte. Sie befürchtete das Schlimmste für ihren Mann und sich.

„Meine Geduld ist gleich zu Ende!“, warnte Parker.

„Sie sollten besser verschwinden!“, knurrte Keen.

„Nicht ohne euren Schmuck!“

Keen schwieg zornig.

Da hob Ivan Parker die Pistole etwas an und drückte sie fester gegen Sarahs Schläfe. „Willst du, dass deine Frau stirbt?“

Keens Augen verengten sich. „Das wagen Sie nicht!“, stieß er aufgewühlt hervor.

„Und ob ich es wage“, sagte Parker eisig. „Ich zähle bis drei. Wenn du mir bis dahin nicht gesagt hast, was ich wissen will, stirbt deine Frau vor deinen Augen. Danach kommst du dran. Und hinterher stellen wir die Bude so lange auf den Kopf, bis wir die Klunker gefunden haben.“

Er blufft!, dachte Keen. Er wird Sarah nicht töten ...

„Eins!“, sagte Parker gleichmütig.

Sarah hätte das Versteck verraten, doch ihre Stimme versagte. Sie konnte nicht mehr sprechen.

„Zwei!“, sagte Parker. „Verdammt, Keen, du solltest es lieber nicht darauf ankommen lassen. Ich bluffe nie! Meine Männer wissen das. Und es macht mir nicht das Geringste aus, deine Frau zu töten!“

Noch schwieg Keen, aber sein Widerstand wurde morsch und brüchig.

„Drei!“, sagte Parker.

„Im Arbeitszimmer!“, platzte es aus Keen heraus. „Hinter dem Bücherschrank! Im Wandsafe!“

Ivan Parker grinste zufrieden. „Warum nicht gleich? Habt ihr auch Bargeld im Haus?“

„Nicht sehr viel.“

„Befindet es sich auch im Safe?“ „Ja.“

„Und wie viel hast du in deiner Brieftasche?“

„Das ist kaum der Rede wert.“

„Wir nehmen es trotzdem“, sagte Parker und befahl seinen Leuten, dem Geschäftsmann die Brieftasche abzunehmen. Jackie Barbera fischte die Banknoten heraus. Er lieferte das Geld bei Parker ab, und dieser erteilte Buddy Malloy und David Shay den Auftrag, den Schmuck der Keens zu holen.

Inzwischen ließ Parker die Pistole sinken. Er stieß Sarah Keen von sich und forderte sie auf, sich auf die Sitzbank zu setzen. Ihr Mann musste neben ihr Platz nehmen.

Er legte seinen Arm um ihre Schultern und drückte sie an sich.

„Nicht weinen, Kleines“, sagte Keen beruhigend. „Ich bin ja bei dir, und ich werde nicht zulassen, dass man dir ein Leid zufügt. Sie werden bald gehen. Sobald sie haben, was sie wollen, werden sie unser Haus verlassen. Hab keine Angst, es wird alles wieder gut.“

Parker lachte verächtlich. „Sind sie nicht rührend, die beiden?“ Er befahl seinen Männern, mit dem Abtransport der Beute zu beginnen. Woody Harris verließ das Haus kurz, um zu sehen, ob die Luft rein war. Als er zurückkam und nickte, schnappte sich Kevin Stoker zwei Bilder und trabte damit los. Die Verbrecher pendelten einige Male zwischen Haus und Kastenwagen hin und her, während Jordan Keen das Gefühl hatte, die Wut würde ihn innerlich total auf fressen.

Als Malloy und Shay mit dem Schmuck erschienen, es waren auch teure Erbstücke dabei, die Jordan Keen an seine Mutter erinnerten, die er geliebt und hochgeschätzt hatte, war es dem Geschäftsmann unmöglich, sich zu beherrschen.

Wenn diese Verbrecher die Juwelen mitnahmen, waren sie unwiederbringlich verloren, und der ideelle Wert überstieg den nominellen bei Weitem.

Das darf ich nicht zulassen!, schrie es in Keen. Das muss ich verhindern!

Er schnellte hoch.

„Jordan!“, kreischte Sarah. Damit alarmierte sie Jackie Barbera. „Nicht!“, schrie sie. „Tu‘s nicht! Lass sie!“

Doch Keen stürzte sich schon auf Buddy Malloy und David Shay. Er dachte in diesem Augenblick nicht nach. In seinem Gehirn hakte etwas aus. Er wusste nur, dass er die Verbrecher mit dem Schmuck nicht aus dem Haus lassen wollte.

Jackie Barbera zückte sein Springmesser.

„Vorsicht, Jordan!“, schrie Sarah.

Buddy Malloy wuchtete sich Keen entgegen. Es kam zu einem kurzen Handgemenge. Indessen brachte David Shay die Juwelen zu Ivan Parker, der gespannt zusah, was passierte.

Malloy krallte seine Finger in Keens Jackett. Er riss den Mann an sich und versetzte ihm einen Kopfstoß, der Keen benommen machte. Der Geschäftsmann wollte sich losreißen, doch Malloy hielt das Jackett immer noch fest. Da schlüpfte Jordan Keen kurzerhand aus den Ärmeln und schickte sich an, den Verbrecher zu attackieren, Doch bevor es dazu kam, war Jackie Barbera zur Stelle.

Die Messerhand schnellte vor. Plötzlich erstarrte Jordan Keen. Fassungslos sah Sarah zu. Ihre Augen schwammen in Tränen. „Nein!“, flüsterte sie. „Oh Gott, nein!“

Jordan Keen schien nicht begreifen zu können, dass ihn der kalte Stahl tödlich getroffen hatte. Ungläubig drehte er sich um und blickte Barbera an. Er spürte keinen Schmerz. Da war nur dieser harte Schlag gewesen, und nun fühlte er sich auf einmal unendlich schwach.

Ihm war, als würde das Leben aus seinem Körper fließen, und er verspürte das Verlangen, sich einfach auf den Boden zu legen und zu schlafen, lange, sehr lange zu schlafen ...

Er vermochte sich nur noch mühsam auf den Beinen zu halten. Über sein Gesicht senkte sich ein trauriger Ausdruck, denn er begriff, dass er Sarah verlassen musste, und zwar für immer.

Er wollte etwas sagen. Vielleicht: „Verzeih mir, Sarah, ich hätte nicht so unvernünftig sein dürfen ... Aber er schaffte es nicht mehr.

Und dann brach er mit einem langgezogenen Seufzer zusammen. Es war vorbei.

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SIE KÖPFTEN EINE FLASCHE. Bount Reiniger goss Johnnie Walker, Black Label, in zwei Gläser. Für June March gab es einen leichten, süßen Sherry Brandy. Bount hob sein Glas.

Schmunzelnd bemerkte er: „Ich wüsste einen knackigen Trinkspruch, der so richtig in diese Junggesellenbude passen würde, aber leider ist er nichts für zarte Mädchenohren.“

Toby grinste breit. „Du kannst ihn nachholen, wenn wir mal allein sind, Bount.“

„Wenn ich störe, kann ich ja gehen“, sagte June.

„Oh nein, nein!“, beeilte sich der Captain zu sagen. „Was wäre denn diese gemütliche Feier ohne dich? Mit Bount kann man sich ja nicht unterhalten. Er hat hin und wieder einen ziemlich beschränkten Horizont.“

June schüttelte den Kopf, „Ihr könnt wohl nie Ruhe geben.“

„Was sich liebt, das neckt sich“, meinte Bount Reiniger. „Solltest du wieder mal eine größere Summe Geldes ausbezahlt bekommen, Toby, und nicht wissen, was du damit anfangen sollst, stelle ich dir gern meine Wohnung zur Verfügung. Dort stehen auch schon einige abgewohnte Möbel, die man durch neue ersetzen könnte.“

„Ehe ich mein Geld für dich ausgebe, verbrenne ich es lieber“, sagte Toby, und in der Tonart ging es weiter. Sie waren bester Laune und rechneten nicht damit, dass sich das an diesem Abend noch grundlegend ändern würde.

Endlich hatten sie mal frei. Es kam viel zu selten vor. Endlich saßen sie einmal gemütlich zusammen, jagten nicht hinter Verbrechern her, redeten nicht über ihren harten Job, alberten herum und genossen ihre Freizeit in vollen Zügen.

Doch nicht mehr lange ...

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MORD! EISKALTER MORD war es gewesen! Obwohl sie alle dazu fähig gewesen wären, ging ihnen Jordan Keens Tod unter die Haut. Jeder von ihnen spürte ein kaltes Prickeln über seine Wirbelsäule rieseln. Vielleicht deshalb, weil dieser Mord nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

Man hätte mit Keen auch anders fertigwerden können. Es hätte genügt, ihn bewusstlos zu schlagen. Aber Jackie Barbera war ein Heißsporn, und was passiert war, ließ sich nicht mehr ungeschehen machen.

Ivan Parker war damit zwar nicht einverstanden, aber ändern konnte er nichts mehr daran, deshalb zischte er seinen Komplizen zu: „Los! Raus!“

Aus den lautlosen Räubern waren lautlose Killer geworden!

Sie hasteten aus dem Haus, ließen eine völlig verstörte Frau und einen Toten zurück. Wer den Kastenwagen fahren sollte, war vorher schon abgesprochen worden.

Woody Harris, der Schwarze, war dafür zuständig, die Beute gleich zum Hehler zu bringen. Sie behielten das, was sie raubten, niemals lange, um der Polizei keine Möglichkeit zu geben, die Sore bei ihnen zu finden.

Harris sprang in den Kastenwagen und raste los. Die anderen verteilten sich auf die gestohlenen Fahrzeuge und suchten ebenfalls das Weite.

Und Sarah Keen starrte entgeistert auf ihren Mann, konnte nicht begreifen, dass er tot war.

„Jordan“, hauchte sie, während Tränen über ihre Wangen liefen. Er lag halb auf der Seite. Sarah sah das Messer. Dieses verfluchte Messer.

Sie ertrug es nicht, dass es in Jordans Körper steckte. Obwohl ihr eine innere Stimme sagte, sie dürfe nichts anfassen, das wäre sehr wichtig für die Polizei, schlossen sich ihre Finger um den Griff des Messers. Mit einem kurzen, Ruck zog sie die Klinge heraus. Gleich danach öffneten sich ihre zitternden Finger wieder, und das Messer fiel neben der Leiche auf den Boden.

Behutsam drehte Sarah ihren toten Mann auf den Rücken. Er lag vor ihr, als wäre er nur ohnmächtig.

Die Krawatte lag schräg auf seiner Brust, und Sarah hatte den Wunsch, sie geradezurichten, aber sie tat es nicht. Sie hatte den Eindruck, als könnte Jordan jeden Moment die Augen auf schlagen, sich verwundert umsehen und erheben.

Ihr tränenverhangener Blick tastete sein Gesicht ab, und Tränen fielen auf seine Wangen, während sie sich über ihn beugte.

„Jordan“, flüsterte sie und berührte zaghaft sein Antlitz. „Jordan ... Es ist vorbei ... Sie sind fort ... Wir haben es ausgestanden ...“

Mehr und mehr drängte die Tatsache in ihr Bewusstsein, dass Jordan sie für immer verlassen hatte. Aus. Vorbei. Du bist jetzt allein. Dein Mann lebt nicht mehr.

Sie schlug die Hände vors Gesicht und weinte haltlos. Und dann wurde ihr übel. Sie hastete ins Bad und musste sich übergeben. Die Nerven ...

„Nein! Nein! Nein! Nein! Nein!“ Immer wieder schrie sie es ihrem Spiegelbild entgegen.

„Warum lebe ich? Warum nur Jordan? Warum haben sie mich nicht auch umgebracht? Wieso muss ich weiterleben - ohne Jordan? Oh Gott, warum habt ihr mich nicht auch getötet, ihr verfluchten, grausamen Teufel! Oh Gott, großer Gott ...“

Sie fiel seitlich gegen die Kacheln und rutschte langsam kraftlos daran nach unten.

Sterben! Sie wollte auch sterben! Das Leben hatte keinen Wert mehr für sie, keinen Sinn ...

Sie wusste nicht, wie lange sie auf dem Fliesenboden hockte.

Irgendwann fiel ihr ein, dass sie etwas tun musste, und sie erhob sich mühsam. Vielleicht ist alles nur ein schrecklicher Alptraum, sagte sie sich. Wenn ich jetzt aus dem Bad trete, ist alles in Ordnung. Jordan ist noch nicht zu Hause, er isst noch mit diesem Geschäftsfreund zu Abend ... Alles nur ein schrecklich böser Traum, aber zum Glück nicht wahr ...

Doch als sie das Bad verließ, war nichts in Ordnung. Jordan lag immer noch auf dem Boden.

Kein Alptraum!

Furchtbare Realität!

Sarah wischte sich mit einer fahrigen Handbewegung über die Augen. Du musst etwas unternehmen!, sagte die Stimme in ihr. Du musst die Polizei alarmieren! Sollen diese gemeinen Verbrecher ungeschoren davonkommen?

Nein, dachte sie aufgewühlt. Sie müssen bestraft werden. Dieser schreckliche, sinnlose Mord muss gesühnt werden. Das, nur das kann ich noch für Jordan tun!

Sie schleppte sich zum Telefon. Ihre Füße schienen in Bleistiefeln zu stecken. Jede Bewegung fiel ihr unsagbar schwer. Sie griff nach dem Hörer, der auch ein Vielfaches von seinem normalen Gewicht zu haben schien.

Die einzige Nummer, die ihr in ihrem bedauernswerten Zustand einfiel, war jene ihres Schwagers. Alec sollte die Sache jetzt in die Hand nehmen.

Alec sollte herkommen, in das Haus seines toten Bruders, sollte die Polizei anrufen und alles tun, was zu tun war. Sie konnte es nicht, war jetzt zu nichts in der Lage.

Zitternd tippte sie Alecs Nummer in den Apparat. Hoffentlich hatte sie nicht wieder die letzten beiden Ziffern vertauscht. Das passierte ihr hin und wieder, und dann meldete sich eine Tankstelle in Manhattan.

Hoffentlich war Alec zu Hause. Er war nicht verheiratet, aß deshalb häufig auswärts, weil es um seine Kochkünste nicht sonderlich gut bestellt war. Wenn er mal keine Lust hatte, auszugehen, lebte er von Schnellgerichten, oder er lud sich bei seinem Bruder und seiner Schwägerin ein, in deren Haus er ein stets willkommener Gast war.

Sarah vernahm das Freizeichen, doch Alec hob nicht ab. Sie ließ es weiter läuten. Bitte, bitte, geh ran!, flehte sie im Geist. Du musst zu Hause sein. Du musst mir helfen. Es ist so entsetzlich.

Als sie schon nicht mehr damit rechnete und verzweifelt den Hörer sinken ließ, meldete sich Alec doch noch.

„Hallo.“

Sie wollte etwas sagen, doch sie brachte kein Wort heraus. Erschüttert weinte sie in die Sprechmuschel.

„Hallo! Hallo, wer ist da?“, fragte Alec Keen beunruhigt.

„Oh, Alec ...“, stöhnte Sarah. „Alec ...“

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ALEC KEEN, JUNGGESELLE aus Überzeugung - „Warum soll ich wegen einem Glas Milch gleich eine ganze Kuh kaufen?“, war seine stereotype Antwort, wenn man ihn fragte, warum er mit bald vierzig Jahren noch nicht verheiratet wäre -, dieser Alec Keen hatte sich an dem Abend, an dem man seinen Bruder ermordete, ein Mädchen angelacht.

Terry Morris hieß sie, und war das, was man einen steilen Zahn nennt. Man konnte sie in der Bowlinghalle, in der sie als Service-Girl arbeitete, nicht übersehen.

Es war beinahe ein Verbrechen, sie in einem hautengen Trikot auf die Gäste loszulassen, denn damit forderte man so einiges heraus - und Terry konnte furchtbar schwer nein sagen.