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Entscheidung im Peloponnesischen Krieg


Entscheidung im Peloponnesischen Krieg


Kaleidoskop 1. Aufl.

von: Arnulf Zitelmann

3,99 €

Verlag: Campus Verlag
Format: EPUB
Veröffentl.: 18.06.2014
ISBN/EAN: 9783593424729
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 43

Dieses eBook enthält ein Wasserzeichen.

Beschreibungen

Übernatürliche Kräfte hatten für die Griechen große Bedeutung. So wurden beispielsweise die Pest oder Sonnenfinsternisse als schlechtes Omen für den Krieg gedeutet. Das heißt jedoch nicht, dass sie vor Ehrfurcht aufgehört hätten, grausame Morde zu begehen.
Der Konflikt zwischen Athen und Sparta ist vergleichbar mit einem Fußballturnier: nur einer kann den Pokal gewinnen. Im Fußball hat die eine Mannschaft die erfahrenen Spieler. Die andere dagegen setzt auf den jungen Nachwuchs. So setzte Athen auf seine Seeflotte, während Sparta mit Bodentruppen aus dem Peloponnesischen Krieg als Sieger hervorgehen wollte. Welche Taktik die bessere war? Das verrät Ihnen Arnulf Zitelmann.
Übernatürliche Kräfte hatten für die Griechen große Bedeutung. So wurden beispielsweise die Pest oder Sonnenfinsternisse als schlechtes Omen für den Krieg gedeutet. Das heißt jedoch nicht, dass sie vor Ehrfurcht aufgehört hätten, grausame Morde zu begehen.
Der Konflikt zwischen Athen und Sparta ist vergleichbar mit einem Fußballturnier: nur einer kann den Pokal gewinnen. Im Fußball hat die eine Mannschaft die erfahrenen Spieler. Die andere dagegen setzt auf den jungen Nachwuchs. So setzte Athen auf seine Seeflotte, während Sparta mit Bodentruppen aus dem Peloponnesischen Krieg als Sieger hervorgehen wollte. Welche Taktik die bessere war? Das verrät Ihnen Arnulf Zitelmann.
Inhalt
Sparta gegen Athen, Athen gegen Sparta 7
Draußen Spartaner, drinnen Pest 7
Der Ausbruch des Peloponnesischen Krieges 10
Sokrates 13
Desaster in Sizilien. Athen erliegt Sparta 21
Die Demokratie wird wiederhergestellt. Sokrates vor Gericht 26
Platon und die Akademie 29
Spartas bitteres Ende 38
Campus Kaleidoskop 42
Impressum 43
Arnulf Zitelmann, geboren 1929, ist Autor zahlreicher Jugendromane und Biografien für junge Leser und wurde unter anderem mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis und dem Großen Preis der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet. Er lebt als freier Schriftsteller in der Nähe von Darmstadt. Im Campus Verlag erschienen von ihm »Die Geschichte der Christen« (2004) und »Die Weltreligionen« (2002).
Sparta gegen Athen, Athen gegen Sparta
Sparta war alarmiert. Das Wachstum Athens hatte bedrohliche Ausmaße angenommen. Sparta hatte stets an seinem gesamtgriechischen Führungsanspruch festgehalten. Und Delphis Priesterschaft hatte Sparta darin bestärkt. Seit ewiger Zeit. Das radikal demokratische Athen hingegen war Delphis Priestern nie geheuer. Dort galt die Stimme des Volkes offenbar mehr als die Orakelstimme des Gottes. Sparta jedoch war fromm. Fromm bis zum Aberglauben. Ohne Delphis Segen unternahm Sparta nichts. Und dessen Könige galten als die Nachkommen von Herakles. In direkter Linie. Die Athener andererseits waren womöglich keine ganz echten Griechen. Sondern Nachkommen der Pelasger, der vorgeschichtlichen Bevölkerung Attikas, die sich später erst den Griechen angeschlossen hatten. Also waren die Spartaner allein legitimiert, einen Führungsanspruch unter den Städten Griechenlands geltend zu machen. So wahrscheinlich sah man es in Delphi.
Es lag also genug Stoff zu einem gewaltsamen Konflikt zwischen beiden Städten bereit. Irgendwann musste er ausgetragen werden.
Draußen Spartaner, drinnen Pest
An einem Handelsboykott gegenüber Megara, einem Verbündeten Spartas, entzündete sich der schwelende Konflikt. In Megara, 30 Kilometer westlich von Athen, war ein Athenischer Gesandter ermordet worden. Athen hatte daraufhin ein Embargo über die Stadt verhängt. "Die Athener hatten beschlossen, die Megarer von den Märkten und Häfen des Seebundes auszuschließen. Megara wandte sich um Unterstützung bittend an Sparta. Und Sparta schickte Gesandte nach Athen. Die befahlen den Athenern, ihre Feindseligkeiten gegenüber Megara einzustellen. Anderenfalls, so drohten die Gesandten, werde Sparta zusammen mit seinen Verbündeten gegen Athen zu Felde ziehen. Als die Volksversammlung zusammentrat, um darüber zu beraten, ergriff Perikles das Wort und warnte die Athener, dem Druck Spartas nachzugeben. Denn wenn sich Athen den Befehlen Spartas beuge, wäre das der erste Schritt, Sklaven der Spartaner zu werden", so stellt es Diodor dar.
Die Volksversammlung folgte Perikles. Man dachte gar nicht daran, sich von Sparta Vorschriften machen zu lassen. Überdies hatten beide Städte im Jahr 445 vereinbart, in den nächsten drei Jahrzehnten strittige Angelegenheiten in Schiedsgerichtsverfahren zu klären, und die Vertragszeit war noch nicht einmal zur Hälfte abgelaufen. Die Kriegsdrohung Spartas war mithin ein eindeutiger Vertragsbruch. Und das zeigte, dass Sparta nur einen Anlass suchte, um den Athenern eine Lektion zu erteilen.
Eventuell aus der Zeit des Handelsembargos stammt folgende Anekdote. "Als die Athener ihre Schiffe bemannten, und Perikles gerade dabei war, sich an Bord seiner Triere zu begeben, ereignete sich eine Sonnenfinsternis. Die Männer überkam große Angst, weil sie darin ein böses Vorzeichen sahen. Als Perikles bemerkte, wie verschreckt sein Steuermann war, nahm er seinen Umhang ab und hielt ihn dem Mann vors Gesicht. Und fragte den Mann, ob ihm das Angst mache, oder ob er darin ein böses Vorzeichen sähe. Nein, antwortete der Steuermann. Was da oben passiert, erklärte ihm Perikles, ist genau dasselbe. Mit dem einzigen Unterschied, dass der Schatten, der am Himmel die Sonne verdunkelt, größer ist als mein Mantel!" Im Jahr 432 fanden zwei Teilsonnenfinsternisse am Himmel über Athen statt. Die erste morgens, am 16. April, die andere nachmittags am 10. Oktober. Beide Finsternisse erstreckten sich ungefähr über anderthalb Stunden. Perikles kannte sich am Himmel aus. Schließlich war er über Jahre mit Anaxagoras, dem Astronomen, befreundet, der sich den gestirnten Himmel zum Vaterland erwählt hatte.
Die Abweisung seiner Botschafter verstand Sparta als Kriegserklärung. Es setzte seine Truppen in Marsch. Ihr Ziel war Athen. Die Volksvertretung evakuierte das attische Umland und verschaffte den Flüchtlingen Platz in Athen. "Die Menschen kam es schwer an, Haus und Boden den Feinden zu überlassen", schreibt Thukydides. "Denn sie hatten nach den Perserkriegen ihren Besitz gerade erst wieder hergestellt. Und als sie nach Athen kamen, besaßen dort nur wenige eine Wohnung oder konnten bei Verwandten oder Freunden unterkommen. Die allermeisten kampierten auf den freien Plätzen der Stadt. Oder in den Tempeln, mit Ausnahme der Akropolis. Die Stadt fasste die hereinströmende Menge nicht. Später teilte man sogar den Raum zwischen den Langen Mauern, die zum Hafen führen, für Wohnzwecke auf und dann auch größere Teile des Hafengeländes selbst." Von den Mauern der Stadt aus mussten die Flüchtlinge tatenlos mitansehen, wie die Spartaner ihre Häuser in Brand setzten, Felder und Gärten verwüsteten, die Fruchtbäume fällten. Die Athener aber rückten nicht zur Schlacht aus. Sie bemannten ihre Schiffe, nahmen Kurs auf den Peloponnes und verwüsteten dort das Land. Das war die Strategie, zu der Perikles die Volksversammlung überredet hatte.
Als es Winter wurde, zogen die Spartaner ab. Doch im Frühjahr fielen sie aufs Neue in Attika ein. Wieder suchten Tausende und Abertausende Schutz hinter den Mauern. Viel fanden die Spartaner nicht mehr vor, was sie verwüsten konnten. Aber sie hielten Attika besetzt. Denn sie hofften, die Athener würden sich endlich in einer offenen Feldschlacht der Entscheidung stellen.
Dazu kam es nicht. In der hoffnungslos überfüllten Stadt brach eine Seuche aus. Pest, höchstwahrscheinlich, vielleicht aber auch Typhus oder Cholera. Thukydides schildert auf fünf eng beschriebenen Seiten die Seuche, "die furchtbarer war, als Worte es beschreiben können". Man machte Perikles für das Desaster verantwortlich. Mit Recht. Die Volksversammlung hatte es versäumt, mit Quartieren, zusätzlichen Brunnen und einer verstärkten Abfallbeseitigung vorzubeugen.
Thukydides schreibt: "Ich selbst erkrankte. Und ich habe andere leiden gesehen. Darum will ich die Krankheit genau beschreiben, damit man sie beim nächsten Auftreten sicher erkennen kann." Thukydides hatte Glück, viel Glück gehabt. Denn Ungezählte verendeten qualvoll in der Kloake, zu der Athen inzwischen geworden war.
Perikles wurde abgewählt. Er verteidigte sich am Rednerpult auf der Pnyx. Vergeblich. Man strengte sogar einen Prozess gegen ihn an. Wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder. Und Perikles wurde mit einem hohen Bußgeld belegt. Er verlor seine Schwester, den jüngsten Sohn Xanthippos, schließlich auch den ältesten, Paralos. Sie wurden Opfer der Seuche. "Als er bei der Bestattung von Paralos ein Blumengebinde niederlegte, wehklagte er laut und konnte seine Tränen nicht stillen. Und so hatte ihn noch niemand jemals gesehen." Danach zog sich Perikles vollends aus der Öffentlichkeit zurück.
Er war jetzt in seinem 72. oder 73. Lebensjahr. Sein Lebenswerk schien vernichtet. "Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig Jahre, und was einst schön daran war, ist lauter vergebliches Mühen gewesen", heißt es in den hebräischen Psalmen. Aber natürlich kannte Perikles keine Psalmen. Er musste mit weniger vorlieb nehmen. Einem Besucher zeigte er ein Amulett, das ihm die Frauen des Hauses um den Hals gebunden hatten. "Als wollte er damit sagen - so weit ist es mit mir gekommen!" Und als Freunde seine Verdienste aufzählten, um ihn zu ermuntern, winkte er ab.
Dann aber rief ihn die Volksversammlung zurück ins Amt. Seine Freunde redeten ihm zu, die Entschuldigungen der Athener anzunehmen. Perikles schleppte sich zur Pnyx, trat an das Redepult und bat die Versammlung, seinem einzigen ihm noch verbliebenen Sohn, dem jungen Perikles, das Bürgerrecht zu gewähren. Die Volksversammlung entsprach liebend gern seiner Bitte, wenn nur Perikles, ihre letzte Hoffnung, wieder ins Amt zurückkehren würde.
Bald darauf erkrankte er selbst an der Seuche. Kein schneller Tod war dem olympischen Mann vergönnt. Seine Freunde aber saßen um ihn, als Perikles mit dem Tode rang. Sie sprachen von den goldenen Zeiten der Stadt, an die sein Name kommende Zeiten erinnern werde. Vielleicht war doch nicht alles umsonst gewesen.
Der Ausbruch des Peloponnesischen Krieges
Mit dem Handelsembargo gegen Megara beginnt der "Peloponnesische Krieg." Der Name ist doppelt irreführend. Kriegschauplatz ist nicht etwa die peloponnesische Halbinsel, sondern das gesamte Mittelmeer östlich von Sizilien. Die Ägäis, das griechische Festland, Ionien, das Schwarze Meer. Der Peloponnesische Krieg ist ein Weltkrieg. Und er ist auch kein konventioneller Krieg. Es ist ein Vernichtungskrieg, den Athen und Sparta miteinander führen.
"Noch nie wurden so viele Städte erobert und ihre Einwohner niedergemacht wie in diesem Krieg. Teils durch Nichtgriechen, teils durch die Kontrahenten selbst. Manche Städte erhielten nach ihrer Eroberung sogar eine völlig neue Einwohnerschaft. Und nie zuvor hatten so viele Städte ihre Mitbürger in die Verbannung geschickt, nie zuvor hat es so viel Blutvergießen gegeben. Durch Kriegshandlungen oder durch Bürgerkriege in den Städten."
Thukydides ist der Chronist dieses Krieges, ein General, den die Athener während des Krieges in Ungnaden entlassen hatten. Ohne Partei zu ergreifen schildert Thukydides das Geschehen. Mit der Sachlichkeit eines Gerichtsmediziners. Doch selbst ihm, dem sachlichen Berichterstatter, scheint es, als sprenge dieser Krieg alle Grenzen. Anscheinend war die Natur selbst in Aufruhr geraten: "Es suchten während dieses Krieges Erdbeben mit nie gekannter Heftigkeit ganze Landstriche heim. Sonnenfinsternisse traten in dichterer Folge auf als sonst. Manche Regionen wurden von Dürrekatastrophen heimgesucht und daraus entstanden Hungersnöte. Und zuletzt kam als Schlimmstes die Pest, die alles Leben auslöschte."
Thukydides zählt in seinem vielhundert Seiten starken Werk mehr als zehn heftige Erdbeben auf. Auch einen Tsunami bei Euboia beschreibt er, der viele Opfer unter der Land- und Stadtbevölkerung der Insel fand. Dann kommt Thukydides auf die Ursachen eines Seebebens zu sprechen: "Dessen Ursache, so meine ich, besteht darin, dass das Beben, wo es am heftigsten war, das Meer zurückstaut und dann eine umso gewaltigere Überschwemmung hervorruft, wenn es zurückflutet. Ich denke nicht, dass ein Seebeben ohne ein vorausgehendes Erdbeben eintreten könnte." Möglicherweise war während der drei Kriegsjahrzehnte die seismologische Aktivität im östlichen Mittelmeerraum besonders hoch. Die Zahl der Sonnenfinsternisse in der Ägäis lag dagegen zwischen 432 und 404 im normalen Mittel. Doch in diesen Unglückszeiten deutete man die Verfinsterungen der Sonne als unaufhörlich erneuerte Schreckensbotschaften.
Schrecken ohne Zahl und Ende waren über die Menschen gekommen. Selbst die religiöse Scheu ging in dem gegenseitigen Gemetzel verloren. Der Spartanerkönig Kleomenes überfiel ohne Kriegserklärung eine andere Stadt und erklärte: Gewalt geht vor Recht, und das ist bei Menschen wie bei den Göttern so! Die Athener standen ihm nicht nach. Als sie im 16. Kriegsjahr die Bewohner einer ganze Stadt massakrierten, sagten sie: Dass uns die Götter zur Rechenschaft ziehen, müssen wir nicht fürchten, denn Fressen und Gefressenwerden ist nun mal der Lauf der Natur!
Der moralische Zerfall schreitet bis zum Kriegsende weiter fort: "Die Werte, an die man sich früher hielt, galten nicht mehr. Oder man gab ihnen eine andere, völlig entgegengesetzte Bedeutung. Unkalkulierbare Risiken eingehen nannte man jetzt heroische Tapferkeit, man diffamierte Vorsicht als Feigheit, nannte Zurückhaltung unmännlich, gab zügellose Aggressivität als mutiges Draufgängertum aus und entschuldigte infame Tricks als erlaubte Mittel zur Selbstverteidigung." Thukydides hat diesen Wertezerfall festgehalten. In allen Einzelheiten, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt.
Wie brachte er die Kraft dazu auf? Ein Zeitchronist ist Bergungshelfer, er birgt Leichen aus den Trümmern. Irgendwann geht ihm dabei die Kraft aus. Auch Thukydides hat sein Werk nicht fertiggestellt. Im 21. Kriegsjahr endet sein Text. Mit einem abgebrochenen, nicht zu Ende geführten Satz.
Der Peloponnesische Krieg wütete weitere sechs Jahre. Er endete in einem Fiasko. Athen musste kapitulieren. Es streckte die Waffen, weil seine schärfste Waffe abhanden gekommen war. Die Stadt verlor mit einem einzigen Schlag ihre gesamte Flotte, 160 Trieren. An der Küste des Hellesponts. In der Gegend, wo ein Xerxes seine Brücke geschlagen hatte, waren die Athener vor Anker gegangen. Die Mannschaften verteilten sich übers Land, um sich zu verproviantieren. Die spartanische Flotte bemächtigte sich der unbemannten Schiffe, nahm die zurückkehrenden Mannschaften gefangen und brachte sie um. Bis auf den letzten Mann. Tausende, Zehntausende.
Mit welchen Worten hätte Thukydides wohl das desaströse Ende der glorreichen Athener Seemacht beschrieben?
Thukydides ist Militärhistoriker. Selbst Solon oder Lykurg, die Verfassungsväter Griechenlands, geraten ihm nicht in den Blick. Weder erwähnt er Aspasia noch Pheidias, nicht Pindar, den Dichter, noch die Bühnenwerke von Aischylos, Sophokles, Euripides oder Aristophanes.

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